Aktive “Mitläufer” in Berlin

Am Donnerstag, 08.05.2014, wird der Verein ‘Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.’ an verschiedenen Jobcentern in Berlin die Arbeit der ‘Mitläufer’ im Rahmen einer Flyer-Aktion den Besuchern vorstellen.

“Immer mehr Menschen leiden unter der restriktiven Politik und den immer mehr ausufernden Sanktionen der Jobcenter.” erklärt Hans-Peter Weyer, 1. Vorsitzender des Vereins ‘Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.’ “Da sollte niemand mehr allein zum Amt gehen. Der ehrenamtliche Dienst der Mitläufer wird auch in Berlin immer dringender.” Um den betroffenen Kunden der Jobcenter von der Möglichkeit zu erzählen einen kostenlosen und ehrenamtlich tätigen Mitläufer als Beistand mitzunehmen, wird Weyer mit anderen Mitläufern vor drei Berliner Jobcentern Flyer verteilen sowie Rede und Antwort stehen.

Am Donnerstag, 08.05.2014, werden die Mitläufer von 08.00 Uhr bis 10.00 Uhr vor dem Jobcenter Neukölln, Mainzer Strasse 27 anzutreffen sein. Von ca. 10.30 bis 13.00 Uhr können Betroffene die Mitläufer vor dem Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg, Rudi-Dutschke-Strasse 3 ansprechen. Und auch Berufstätige oder Selbständige haben die Möglichkeit sich vor dem Jobcenter Mitte, Seydelstrasse 2-5, von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr, über die Arbeit der Mitläufer in Berlin informieren zu lassen.

“Wer uns am Donnerstag nicht antrifft, kann sich jederzeit unter mitlaeufer-suche.tk selbst an einen Berliner Mitläufer wenden oder über unsere bundesweite Rufnummer 02065-7923199 weitere Informationen einholen.” verspricht Weyer, der als Sozialberater aus Duisburg auch über die Mailadresse hpweyer@wirgehenmit.org bundesweit mit Fragen angesprochen werden kann.

Mitläufer Infostände in NRW

Am 5./6.04.2014 Bielefeld

Mit einem Infostand macht der Verein “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.” am 05. und 06.04.2014 auf dem Landesparteitag der Piratenpartei NRW in Bielefeld auf seine Arbeit aufmerksam. Jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr sind Mitläufer am Stand ansprechbar.
Der Parteitag findet statt im KuKS, Meisenstrasse 65, Bielefeld

Am 12./13.04.2014 Essen

Ein Sozialcamp der Piratenpartei Deutschland findet am 12. und 13.04.2014 im Unperfekthaus in Essen statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden die Mitläufer mit einem Infostand auf Ihre Arbeit aufmerksam machen und am Samstag von 15.30 bis 19.00 Uhr den Arbeitsslot gestalten.
Themen dieses Slots werden sein
1. Geschichte der Mitläufer und Entwicklung des Vereins
2. Psychologische Hintergründe zur Wirkung des Beistandes
3. Mitläufer, Aufgaben, Erfahrungen, Möglichkeiten (Mitläufer-Schulung)
Das gesamte Programm unter weitere Infos sind unter diesem Link zu finden
http://wiki.piratenpartei.de/Sozialpiraten/Meetings/Real-Life/Essen-2014-04-12

 

 

 

#Mitläufer beim WDR Fernsehen

Ein Mitläufer wurde von einem Fernsehteam der WDR Lokalzeit Duisburg bei der Hilfestellung als Beistand im Amt für eine hilfesuchende Dame begleitet. Bei der Ausstrahlung stand der 1. Vorsitzende des Vereins Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V., Hans-Peter Weyer, dem Moderator Rede und Antwort.

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit/lokalzeit-aus-duisburg/videodiemitlaeufer100.html

Statement zur Änderung der Jobcenter-Öffnungszeiten in Duisburg

Zur geplanten Änderung der Öffnungszeiten der Jobcenter in Duisburg ab 01.12.2013 (bisher 8.00 – 12.30 Uhr, neu 8.00 – 11.00 Uhr) erklärt Hans-Peter Weyer, 1. Vorsitzender des Vereins “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.”:

“Die weitere Verkürzung der Öffnungszeiten bei den Jobcentern in Duisburg ist scheinbar die konsequente Fortführung einer Politik, bei der es darum geht die unliebsamen Hartz4-Empfänger von den Sachbearbeitern fernzuhalten. Erst hat man die Jobcenter zersplittert und für jede mögliche Abteilung, wie z.B. U25 oder Ü50, eigene Standorte geschaffen um die Arbeitslosen möglichst viel zu verwirren und durch die Gegend zu jagen. Danach wurde mit dem Jobcenter Rheinhausen das erste Jobcenter aus der gut erreichbaren zentralen Lage möglichst weit nach ausserhalb ins Industriegebiet verlegt. Jetzt werden weitere Einschränkungen durch Verkürzung der Öffnungszeiten vorgenommen und das obwohl erst vor wenigen Tagen verlautbart wurde, dass Ein-Euro-Jobs gekürzt werden, um das Geld in den Verwaltungsbereich zu stecken.

Den Hilfeempfängern wird die Möglichkeit des direkten Kontaktes mit den Sachbearbeitern immer mehr genommen. Die Antragsstellung soll am besten per Post oder Einwurf und die Leistungsbearbeitung weitestgehend ohne persönlichen Kontakt stattfinden. Damit wird den Hilfebedürftigen jedoch die Möglichkeit zur persönlichen Intervention auf fehlende Bearbeitung und in Notlagen auf schnelle Hilfe erheblich eingeschränkt. Genau diese Fälle sind in der letzten Zeit aber erheblich angestiegen. Verschwundene Unterlagen, wochenlange Wartezeiten bei der Antragsbearbeitung und Notfälle wegen fehlender Gelder für Miete und Strom sind in Duisburg keine Einzelfälle, sondern Alltag für viele Hartz4-Empfänger.

Die Zahl der Beratungen und Begleitungen hat für die Mitläufer in Duisburg erheblich zugenommen und schon zu den bisherigen Öffnungszeiten war es schwierig alle Beistandstermine in die verfügbare Zeit zu bekommen. Die neuen Öffnungszeiten ab 01.12.2013 machen es noch schwieriger alle Anfragen nach Hilfe und Begleitung in kurzer Zeit ermöglichen zu können. Wir rufen deshalb alle Betroffenen auf, aber auch jeden Duisburger Bürger, der ein weng Zeit zur Verfügung stellen kann, sich den Mitläufern anzuschliessen und durch gemeinschaftliche Solidarität dem weiteren Abbau der Menschenwürde in den Jobcentern in Duisburg entgegenzutreten.

Jeder ab 16 Jahren kann Mitläufer werden. Dazu sind keine besonderen Kenntnisse Voraussetzung. Lediglich die Bereitschaft ein paar Stunden ehrenamtlich und solidarisch an der Seite von Menschen, die ein Amt besuchen müssen, dabei zu sein. Wer Interesse hat mehr darüber zu erfahren oder wer eine Begleitung benötigt, kann sich an die bundesweite Rufnummer des Vereins 02065-7923199 wenden oder schreibt eine Mail an mitlaeufer@wirgehenmit.org. Wir werden uns auch mit den neuen Öffnungszeiten nicht unterkriegen lassen und den Menschen, die unsere Hilfe möchten, zur Seite stehen.”

Einladung zur Ausserordentlichen Mitgliederversammlung des Vereines “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.”

Hiermit laden wir zur ausserordentlichen Mitgliederversammlung ein.
Sie findet statt am 08.09.2013 in der Zeit von 10.00 Uhr bis voraussichtlich 17.00 Uhr in den Räumlichkeiten des Vereins “Bürger für Bürger Duisburg e.V.”, Brahmsstrase 5a, 47226 Duisburg.

Die Mitgliederversammlung wurde notwendig, da mindestens 10% der Mitglieder dies schriftlich gefordert haben. Die vormals in der Satzung festgelegten 75% der Mitglieder zur Einberufung einer ausserordentlichen Mtigliederversammlung waren nach Auskunft des Vereinsregisters ungültig und somit durch die Gesetzesvorschrift nach §37 BGB automatisch zu ersetzen.

Ausserdem hat das Vereinsregister Satzungsänderungen verlangt, die wir im Rahmen der Mitgliederversammlung beschließen möchten.

geplanter Ablauf:
10.00 Uhr Anreise und Frühstück
12.00 Uhr Mitgliederversammlung
15.00 Uhr Kaffeetrinken
17.00 Uhr Ende und Abreise

Tagesordnung:
TOP 1. Begrüßung
TOP 2. Eröffnung der Mitgliederversammlung
TOP 3. Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung
TOP 4. Feststellung der Beschlussfähigkeit
TOP 5. Anträge zur Tagesordnung
TOP 6. Genehmigung der Tagesordnung
TOP 7. Bericht des Vorstands für die vergangene Periode
TOP 8. Finanzbericht des Schatzmeisters
TOP 9. Bericht der Rechnungsprüfer
TOP 10. Aussprache über die Berichte
TOP 11. Satzungsänderung https://mitlaeufer.piratenpad.de/101
TOP 12. Entlastung des Vorstands
TOP 13. Wahl eines Wahlleiters
TOP 14. Neuwahl des Vorstands
TOP 15. Verschiedenes
TOP 16. Schlusswort des neuen Vorsitzenden

Mitläufer, Interessierte und Pressevertreter sind herzlich eingeladen an dieser Mitgliederversammlung teilzunehmen.
Bitte meldet Euer Kommen mit einer E-Mail unter mitlaeufer@wirgehenmit.org an, damit wir das Frühstück und das Kaffee-Trinken planen können.
Pressevertreter akkreditieren sich bitte mit einem Hinweis auf das Medium für das sie tätig sind unter presse@wirgehenmit.org oder telefonisch unter 0203-5090895

Bericht vom Mitläuferstammtisch Berlin am 17.05.2013

Bericht von Thomas Gutsche

Hartz IV – Sanktionen:
„Aktivierung“ versus Selbstbestimmung und Existenzsicherung

Der zweite Stammtisch der Berliner Mitläufer fand statt am Freitag, den 17. Mai 2013 in den Räumen der Bürgerinitiative Grundeinkommen im ZENTRUM Danziger Straße 50, Berlin Prenzlauer Berg.

Vortrag und Diskussion mit
FRANZISKA DROHSEL

§ 13 SGB X Bevollmächtigte und Beistände
(4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht.

Dieser Paragraph begründet das unverrückbare Recht eines jeden Bürgers/jeder Bürgerin, sich bei Gängen auf ein Amt begleiten zu lassen, auch zum Jobcenter. Beim Treffen mit Franziska Drohsel, die früher als Juso-Vorsitzende einen Beschluss ihrer Organisation zur Abschaffung der Sanktionen bewirkte und nun als Sozialrechtsanwältin in Berlin arbeitet, ging es jedoch nicht nur um die Paragraphen des Sozialgesetzbuches SGB und die Widrigkeiten von Terminen bei Jobcentern. Franziska Drohsel ist vielmehr stark im öffentlichen Recht beheimatet und hat nach einer kurzen Vorstellung ihrer Person besonders mit
verfassungsrechtlichen Aspekten von und Kritikpunkten an der Sozialgesetzgebung und ihrer Umsetzung argumentiert. Sie begann damit, dass nach ihrer Erfahrung die Behörden es gerade denen schwer machen, die besonders Probleme damit haben, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen, obwohl gerade diesen Menschen doch die Sozialgesetzgebung zugutekommen sollte. Besonders der Umgang der Jobcenter mit diesen Menschen sei oft problematisch.
2011 seien erstmals mehr als 1 Million Sanktionen verhängt worden, die auf den § 31 SGB II zurückzuführen sind. In den Sanktionen und ihrer Handhabung spiegelten sich besonders die unterschiedlichen Menschenbilder wider zwischen Existenzrecht und –sicherung und Leistungsdenken.
Bei Erwachsenen dürften bei der ersten Pflichtverletzung 30 Prozent, dann 60 und bei der dritten Pflichtverletzung schließlich 100 Prozent der Leistungen gekürzt werden, wobei dann sog. „Sachleistungen“ (Lebensmittelgutscheine) noch erteilt werden könnten. Bei unter-25jährigen gelten aber besonders scharfe Regeln, nach dem ersten Verstoß dürfen demnach die Leistungen auf die Unterkunft beschränkt und beim nächsten Verstoß dann gleich um 100 Prozent gekürzt werden.
Neben alledem gebe es noch die Kürzungen um 10 Prozent bei Meldeversäumnissen. Das alte Sozialhilfegesetz habe auch Sanktionsparagraphen enthalten, die jedoch wesentlich zurückhaltender waren.

Das Bundesverfassungsgericht BVG hat noch keine Entscheidung bezüglich der Verfassungsmäßigkeit getroffen. Von Seiten des Bundessozialgerichtes gebe es leider Urteile, die auch 100prozentige Kürzungen für rechtmäßig erklären, solange sie von „Sachleistungen“ begleitet werden. Es gebe jedoch auch Gerichte, die Sanktionen kritisch beurteilen. Meistens fänden die Richter jedoch Möglichkeiten, die Sanktionen dann im jeweiligen Fall aus dem Weg zu räumen, z. B. wegen Verfahrensfehlern, so dass es noch keinen Fall gegeben hat, der materiell-rechtlich vom BVG entschieden wurde. Es sei zwar einerseits wünschenswert, dass dies mal geschehe, andererseits müsse man beachten, dass der dann dafür vorliegende Fall auch geeignet und aussichtsreich sei, denn ein Urteil, nach dem die Sanktionen verfassungsgemäß wären, würde die politische Auseinandersetzung um die Abschaffung der Sanktionen erschweren.
Im Grundgesetz findet Kritik an den Sanktionen z. B. Halt an den Artikeln 1, 2 und 20, aus denen sich ein Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum ergebe. Dem BVG entsprechend muss es in diesem Zusammenhang ein transparentes Verfahren geben, durch das ein menschenwürdiges Minimum zu ermitteln ist. Grundrechte dürfen allerdings auch eingeschränkt werden. Im Falle der Sanktionen hätte eine Einschränkung den Zweck der „Arbeitsmarktannäherung“ des betroffenen Individuums.

Aber: Eine Einschränkung muss geeignet, erforderlich und angemessen sein, das Ziel zu erreichen, in diesem Fall also die „Arbeitsmarktannäherung“. Es lässt sich leicht ersehen, dass die Sanktionen nicht geeignet sind, da jemand mit Sanktionen nicht leichter Arbeit findet als ohne. Hierzu gibt es allerdings leider noch keine umfassende wissenschaftliche Evaluierung. Bisherige Studien lassen aber den Schluss zu, dass Sanktionen eher kontraproduktiv sind, z. B. da sie die Betroffenen unter größeren psychischen Stress setzen. Auch die Erforderlichkeit von Sanktionen lässt sich mit Recht bezweifeln, denn dazu dürfte es „kein gleich geeignetes, milderes Mittel“ geben, um das Ziel zu erreichen. Es liegt aber auf der Hand, dass Beratung, Fortbildung etc. geeignetere und sowieso mildere Mittel sind, die „Arbeitsmarktannäherung“ der Betroffenen zu bewirken. Schließlich lässt sich auch die Angemessenheit bezweifeln, denn in einer Folgenabwägung stellen sich die Konsequenzen aus den Sanktionen als sehr drastisch dar, zumal die aus den 100prozentigen Sanktionen.
Aus all diesen Erwägungen lässt sich mit gutem Grund die Verfassungswidrigkeit der Sanktionen annehmen und die Folge daraus, sich dagegen zu wehren und den Klageweg nach oben zu gehen. Dies sei nicht so schwierig, wie die Betroffenen oft annehmen, da es z. B. Prozesskostenhilfe und Beratungshilfe gebe. Eine Erleichterung besteht auch darin, dass es vor dem Sozialgericht keinen „Streitwert“ gebe und keine Gerichtskosten in SGB II-Angelegenheiten entstehen.
In der anschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass die Betroffenen von Hartz IV durch ihre Situation oft zu belastet seien, als dass man von ihnen erwarten könne, dass sie einen schwierigen und langwierigen Weg durch alle Distanzen bestehen könnten, was Franziska Drohsel bestätigte.
Franziska Drohsel legte auf eine Frage aus dem Publikum dar, dass das Jobcenter im Grunde keinen großen Ermessensspielraum habe, was die Verhängung von Sanktionen angehe. Es handele sich um eine sog. „Gebundene Entscheidung“, die Sanktionen seien demnach eine zwingende Folge, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt seien.

Die Diskussion beschäftigte sich auch mit den Eingliederungsvereinbarungen EGV. Die Hartz IV-Betroffenen seien heute nicht mehr gezwungen, die EGV zu unterschreiben. Es werde dann ein Verwaltungsakt erlassen, der praktisch die gleichen Vereinbarungen enthält, aber diesmal als einseitige Forderungen. Gegen diesen Verwaltungsakt lasse sich aber Widerspruch einlegen, dann könne man klagen, wenn dem Widerspruch nicht stattgegeben werde. Problem ist, dass der Widerspruch allerdings keine aufschiebende Wirkung nach sich zieht, so dass dann die Sanktionen einsetzen können. Und: Im SGB II führe eine nachträgliche Überprüfung nur zur rückwirkenden Leistung für den Zeitraum der letzten zwölf Monate, während dieser Zeitraum in anderen Rechtsgebieten 4 Jahre betrage. Wenn also z. B. die Kosten für die Unterkunft drei Jahre nicht oder zu gering erstattet wurden und dies gerichtlich festgestellt wird, so erfolgt die nachträglich
Rückerstattung nur für die letzten 12 Monate. Daraus erfolgt, dass Überprüfungsanträge so schnell wie möglich vorgebracht werden sollten. Im Zweifelsfall solle man sich so schnell wie möglich einen Beratungsschein holen und zum Rechtsanwalt gehen.
Die Länge der Sanktionen könne bei unter-25-jährigen auf 6 Wochen gekürzt werden, ansonsten betrage sie 3 Monate. Bei einem Widerspruch müsse man vor allem die 1-Monats-Frist beachten und am besten den Widerspruch faxen oder sich eine Eingangsbestätigung geben lassen. Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass manche Jobcenter keine eigenen Eingangsbestätigungen (mehr) ausstellen, so dass man am besten mit einem eigenen Formular hin geht und sich dieses abstempeln lässt. Sonst könne man auch den Widerspruch einer/m Jobcenter-Mitarbeiter/in diktieren. „Hiermit lege ich Widerspruch ein“ reiche notfalls. Die Chancen des/der Betroffenen vor Gericht kann sich dabei auch aus der Rechtsmittelbelehrung ergeben, die zahlreichen Kriterien genügen müsse und oft mangelhaft sei.
Es wurde auch kurz generell über die Legitimität der Sanktionen diskutiert. Ein Einwand aus dem Publikum lautete, dass ein Arbeitnehmer ja auch Sanktionen zu befürchten habe, wenn er gegen seine Pflichten verstoße. Darauf wurde entgegnet, dass sich der/die Arbeitnehmer/in in einem Arbeitsvertrag ja eben tatsächlich selbst verpflichtet habe, bestimmte Leistungen zu erbringen, während es sich bei einem Existenzminimum aber um ein Recht handele, dass jedem zukomme. Auch nach der Franziska Drohsels sei das menschenwürdiges Existenzminimum nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft.
Ein Teil der Diskussion beschäftigte sich auch mit der Prozesskostenhilfe. So muss eine Klage z. B. „hinreichende Aussicht auf Erfolg“ haben. Die Gerichte legen offensichtlich die entsprechenden Regelungen sehr unterschiedlich aus.
Weitere Artikel des Grundgesetzes wurden in Hinblick auf einen möglichen Zusammenhang mit den Sanktionen diskutiert, z. B. Art. 12, der die Berufsfreiheit begründet, demnach es eine freie Berufswahl gebe und entsprechend, negativ formuliert, kein Zwang ausgeübt werden dürfe. Dieser Artikel steht z. B. im Zusammenhang mit der Ablehnung einer „zumutbaren Arbeit“. Es wurde festgestellt, dass die meisten Menschen ja gerne einer Erwerbsarbeit nachgehen würden, diesen aber durch die Gesetze gar nicht geholfen werde. Ein anderer Gesichtspunkt ist auch die Ungleichbehandlung unter-25jähriger.

Abschließend wandte sich Martin Fielscher von der BGE noch mal ans Publikum und sagte, dass sie sich von der BGE häufig gegenseitig zum Jobcenter begleiten. Denn die schlimme Wirkung der Gesetze auf die Betroffenen sei ja oft, dass diese dadurch völlig unter Druck gesetzt und gedemütigt würden, so dass sie sich in die „Strafen“ ergeben und möglicherweise sich selbst aufgeben. Eine besondere Perfidität der Gesetze ergibt sich damit daraus, dass sie nicht nur in den seltensten Fällen zu einer erfolgreichen Vermittlung führen, sondern in der Praxis dazu führen, dass gerade die, die eine Hilfe am meisten benötigen, besonders weiter geschwächt und seelisch zerstört werden. Es werden also die Schwächsten bekämpft, die sich am wenigsten wehren können. Deshalb hätten sie, die BGE, eine interne „Hartz-IV-Therapiegruppe“ gegründet, mit der sie sich gegenseitig bestärken, Mut machen und seelisch aufbauen. Derart mit Selbstbewusstsein ausgestattet und außerdem natürlich immer in Begleitung sei man den Schikanen des Jobcenters weit weniger ausgesetzt. Es sei auch gut, sich bei besonders sadistischen oder arroganten Mitarbeitern der Jobcenter klar zu machen, dass auch diese nur dort sitzen, weil sie im „normalen“ Arbeitsmarkt nicht untergekommen sind und dass, wenn sie mal ihre eigene Leistung begutachten würden, sie zugeben müssten, dass sie selbst kaum erfolgreiche Vermittlungen vorweisen könnten.
Der Abend schloss mit einem großen Dank an Franziska Drohsel für ihren Einsatz am Freitagabend einer anstrengenden Woche und ihr Engagement generell für die Betroffenen und gegen die Sanktionen!

Solidarität und europäisches Miteinander (er)leben

Während ProNRW im Rahmen ihrer „Asylmissbrauch“-Tour in Duisburg Halt macht und andere Organisationen und Parteien bereits zur großen Gegendemo aufgerufen haben, zeigen drei Duisburger Hilfsvereine, wie Integration gelebt werden kann: Sie laden alle Interessierten Mitbürger zum Zeichen echter Solidarität am Dienstag, 12.03.2013 von 9.00 bis 11.00 Uhr zum Frühstück gemeinsam mit den dort wohnenden Rumänen in das sogenannte Problemhaus „In den Peschen 3-5“ in 47226 Duisburg-Bergheim ein.

Gemeinsam mit „Bürger für Bürger Duisburg e.V.“ haben sich die Vereine „ZOF e.V.“ und „Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.“ bereit erklärt den rumänischen Zuwanderern im Rahmen ihrer jeweiligen Kompetenzen zu helfen. „Man kann darüber streiten ob die Menschen hier willkommen sind, man kann darüber streiten ob das Problem von Europa gemacht wurde und man kann darüber streiten wie die Stadt auf diese Herausforderung reagieren soll – aber man kann über eines nicht streiten: Diese Menschen sind hier, sie leben in unserer Stadt, sie haben Hunger und ihnen muss geholfen werden!“ erklärt Rolf Karling, der seit Tagen mit seinem „Verein Bürger für Bürger Duisburg e.V.“ die Bewohner des Hauses In den Peschen 3-5 allabendlich mit Lebensmitteln versorgt.

Der Verein „ZOF e.V.“ wird in der nächsten Zeit beginnen die rumänischen Kinder an die deutsche Sprache heranzuführen. Trotz Schulpflicht können die Kinder die Schule nicht besuchen, weil ihnen grundlegende Deutschkenntnisse fehlen und sie dem Unterricht gar nicht folgen könnten. Wie in allen drei Vereinen üblich werden auch in diesem Fall ehrenamtliche Helfer diese Aufgabe übernehmen. Die Menschen müssen befähigt werden sich in Deutschland verständigen zu können. Nur durch die Möglichkeit der Kommunikation können Spannungen im Umfeld abgebaut werden.

„Alle Beteiligten befinden sich in einer Zwickmühle.“ erklärt Hans-Peter Weyer, Pressesprecher des Vereins „Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.“, die Situation. „Schon beim Meldeamt gibt es Probleme, weil niemand deutsch spricht. Anmeldungen zur Schule können aus gleichem Grund nicht stattfinden. Und auch Verständigung mit den Nachbarn kann nicht wirklich stattfinden, weil die nötigsten Grundlagen der Kommunikation nicht bestehen.“

Mit dem gemeinsamen Frühstück gerade zum Zeitpunkt der ProNRW-Demo, wollen alle drei Vereine deutlich machen, dass für ein geeintes Europa die Bereitschaft zur Kommunikation und das Verstehen und Akzeptieren des jeweils Anderen wesentliche Voraussetzung ist. „Wer am Frühstück teilnehmen und europäisches Miteinander mit uns leben möchte, ist am Dienstag von 9-11 Uhr dazu herzlich eingeladen“, so Weyer.

Vorstellung der sozialen Initiative “Die Mitläufer” bei der AStA

Lieber AStA,
wir sind eine soziale Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen als ehrenamtliche Begleiter zu aktivieren. Unser Ziel ist es, jeder Person, die einen Amts-, Behörden- oder Jobcenter-Termin nicht allein wahrnehmen möchte, eine ehrenamtliche, aufmerksame und deeskalierende Begleitung zur Seite zu stellen.
Diese Begleitungen werden von den “Mitläufern” angeboten, von Menschen die sich nach folgendem Kodex als Begleiter im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Verfügung stellen.
Wer als Mitläufer ehrenamtlich begleiten möchte, muss dazu nur die Bereitschaft mitbringen. Eine Mitgliedschaft im Unterstützerverein (Wir Gehen Mit – die Mitläufer e.V.) ist nicht erforderlich.

Der Mitläuferkodex:
1. Mitläufer begleiten ehrenamtlich Hilfesuchende zu Terminen bei Ämtern und zum Jobcenter.
Sie unterlassen dabei alles, was dem Hilfesuchenden in seiner Sache schaden könnte und tragen zur Deeskalation bei.
2. Mitläufer erstellen nach einer Begleitung, wenn es vom Begleiteten gewünscht wird, ein Gedächtnisprotokoll, welches dem Hilfesuchenden übergeben wird. Das Protokoll wird vom Mitläufer und dem Begleiteten unterschrieben.
3. Datenschutz und Verschwiegenheit über persönliche Daten sind uns sehr wichtig und wir behandeln die uns zur Kenntnis gebrachten Informationen absolut vertraulich!
4. Es wird vor dem Termin abgesprochen, ob der Mitläufer nur als stummer Begleiter auftritt, der sich ggf. Notizen macht, oder ob er in die Diskussion mit dem Sachbearbeiter eingreifen darf.
5. Es findet keine Missionierung statt: Eine Beeinflussung der Begleiteten zum Zwecke politischer, religiöser oder wirtschaftlicher Anwerbung oder der aktiven Mitarbeit bei den Mitläufern lehnen wir ab.
6. Ausgrenzung, Menschenverachtung und Diskriminierung haben haben bei den Mitläufern keinen Platz.
7. Zuverlässigkeit: Ein Mitläufer hält sich an die getroffenen Vereinbarungen.
8. Der Begleitete kann jederzeit (auch während des Termins) den Mitläufer ohne Angabe von Gründen aus seiner Funktion entlassen. Hierauf weist der Mitläufer hin und respektiert den Wunsch des Hilfesuchenden.
9. Bei Verstößen gegen die gemeinsam beschlossenen Verhaltensregeln ist eine Beschwerde über einen Mitläufer unter folgender Adresse möglich:
mitlaeufer@wirgehenmit.org
Wir versuchen dann gerne zu schlichten (und müssen es uns natürlich letztendlich auch vorbehalten, einzelne Mitläufer die sich nicht an die Regeln halten, auszuschließen).

Wir haben seit Juli 2012 bundesweit mehr als 200 “Mitläufer” gefunden, die sich auf unserer öffentlichen “Mitläuferliste” eingetragen haben. Dort sind sie von Menschen, die für einen entsprechenden Termin eine ehrenamtliche Begleitung suchen, leicht zu finden. Mitläufer, die ihre Daten nicht öffentlich machen wollen sind in unserer verdeckten Liste eingetragen und können über unser Orga-Team aktiviert werden.

Wir streben an, neben der direkten, konkreten Hilfe für Menschen mit Begleitungsbedarf noch einige andere Ziele zu erreichen:
1. Wir möchten Menschen dazu inspirieren, sich ehrenamtlich und gemeinnützig füreinander zu engagieren.
2. Wir wollen in der Bevölkerung weit verbreitete Vorurteile abbauen, indem wir Menschen ohne direkten Bezug zum Sozialsystem einen Einblick in die Lebenswelt von Leistungsberechtigten geben. So soll eine breite Erfahrungsbasis für eine offene und sachliche Diskussion über die Zukunft unseres Sozialsystems geschaffen und das gegenseitige Verständnis gefördert werden.
3. Durch die Organisation einer dezentralen, offenen und vor allem gemeinnützigen Zusammenarbeit aus Vereinen, Initiativen und Privatpersonen wollen wir der in unseren Augen als unethisch zu verurteilenden Politik und persönlichen Bereicherung zu Lasten der betroffenen Menschen entgegenwirken.

In diesem Sinne bitten wir um Eure Hilfe:
Wir sehen an den Hochschulen noch ein großes Potential, sowohl an möglichen Mitläufern als auch Menschen mit Begleitungsbedarf. Die von Euch vertretenen Studierenden haben immer weniger Zeit, für die weiter steigenden Lebenshaltungskosten aufzukommen. Wollen sie sich nicht bereits zu Studienzeiten verschulden, sind viele auf Hilfen, wie etwa Wohngeld, angewiesen. Hier können Mitläufer bei der Antragstellung hilfreich zur Seite stehen – besonders, wenn sie selbst Studenten sind.
Um Studierende auf unser Angebot aufmerksam zu machen und sie vielleicht sogar selbst als Begleitende zu gewinnen, wäre Eure Weiterempfehlung an und bei studentischen Selbsthilfegruppen sehr schön. Auch für die Möglichkeit, auf den AStA-Sommerfesten einen Infostand aufzustellen, um dort über uns informieren zu können, wären wir Euch dankbar.

In diesem Sinne freuen wir uns auf eine gelungene Kooperation.
Mit besten Grüßen,

Till Riebeling
WirGehenMit – Die Mitläufer e.V.
WirGehenMit.org
mitlaeufer@wirgehenmit.org
Tel.: 02065-7923199

Du brauchst Begleitung aber es steht für Deinen Ort kein Mitläufer auf der öffentlichen Liste? So läuft die Mitläufersuche:

Wir haben ja einen ganzen Haufen Mitläufer in unserer öffentlichen Datenbank insgesamt derzeit aus etwa 200 Orten und die Zahl steigt stetig. Es gibt aber auch ganz viele Orte, vor allem kleinere, aber auch Städte  für die sich noch niemand eingetragen hat.

Wir haben festgestellt, daß das die Leute manchmal entmutigt, mit uns in Kontakt zu treten, wenn offenbar niemand in ihrem Ort verfügbar ist. Aber der Schein kann trügen und es lohnt sich trotzdem!

Wir möchten hier erklären, wieso es uns fast immer gelingt, einen Mitläufer zu finden, auch wenn keiner auf der Liste steht.
Es gibt neben der öffentlichen Datenbank eine weitere (weniger umfangreiche) Liste, auf der Mitläufer stehen, die Ihre Kontaktdaten nicht im Internet preisgeben wollen, die aber einverstanden sind, daß das Orga-Team ihre Daten konkret an Begleitungssuchende auf Anfrage weitergibt. Wenn wir also eine Anfrage über Facebook, Twitter, unsere Emailadresse oder unser Mitläufertelefon bekommen, schauen wir erstmal auf diese beiden Listen, ob wir schon jemanden haben. Wenn nicht, treten wir die Mitläufersuche los.

Das heißt als erstes, daß wir eine anonymisierte Meldung im Stil „am xx suchen wir in yy einen Mitläufer für das zz-Amt“ über unserer Kanäle Facebook, Twitter und weitere (wir arbeiten an G+ und Diaspora) losschicken, und oft ist schon in wenigen Stunden jemand gefunden. Auf Twitter haben wir im Moment ca. 1707 Follower und unserer Facebook-Seite hat 675 Likes (durch die man über Aktuelles informiert wird), sowie ca. 394 Mitglieder in unserer Facebook-Gruppe. Darunter sind einige, die sich nicht dauerhaft zur Verfügung stellen können/wollen, aber gerne aushelfen, oder uns über ihr eigenes Netzwerk in unserer Suche unterstützen und die Suchanfragen weiterverbreiten.

In seltenen Fällen, das betrifft meist kleinere Orte, werden wir auch damit noch nicht fündig. Und dann packt unseren Frank vom Mitläufer-Orga-Team der Ehrgeiz. Frank beantwortet unser Mitläufer-Telefon und betreut einen großen Anteil der Mailanfragen, er ist meist zentral in die Suche involviert. Je näher ein Termin rückt, für den wir noch keinen Mitläufer haben, desto intensiver hängt Frank sich rein, er twittert persönliche Konkakte mit großer Reichweite direkt an, er nimmt den Telefonhörer in die Hand, und versucht Initiativen in der Umgebung zu finden, die eine Begleitung vielleicht übernehmen können, oder… oder… Er hat immer wieder kreative Ideen, wie es doch noch klappen könnte oder wen er noch fragen könnte.
Je mehr Mitläufer wir werden und je mehr Unterstützer unsere Suchanfragen weiterreichen, desto besser und schneller klappt das auch. Aktuelle Städte mit einem akut-konkreten Bedarf an ehrenamtlicher Begleitung sind Kusel, Hof und Mühlhausen.

Es lohnt sich also, unser Mitläufer-Telefon (02065-7923199) anzurufen, oder eine Suchanfrage an mitlaeufer@wirgehenmit.org zu schicken!