„Roma in Deutschland“ Vortrags und Diskussions-Veranstaltung

Der Runde Tisch gegen Gewalt und Rassismus Unna veranstaltet am Mittwoch den 12.03.2014 um 19.00 Uhr eine Vortrags- und Diskussions-Veranstaltung im Cafe im ZIB, Lindenplatz 1 in Unna.

Am 1. Januar fielen die letzten Arbeitsmarkt-Beschränkungen für Bulgaren und Rumänen; die meisten, die in Deutschland arbeiten wollen, werden vermutlich Roma sein. Im Ruhrgebiet sind es bereits jetzt Zehntausende, weitere werden folgen. In die Schlagzeilen kommen nur die negativen Geschichten. So wie jene aus Duisburg-Rheinhausen, wo das sogenannte Problemhochhaus steht. Dort lebten laut Medienberichten bis zu tausend Roma auf engstem Raum. Das schürt Ängste, Vorurteile und Ablehnung.

Um die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu bringen, lädt der Runde Tisch gegen Gewalt und Rassismus Unna im Rahmen der Anti-Rassismuswoche zu der Veranstaltung im Cafe im ZIB ein. Als Referent wurde Hans-Peter Weyer, Sozialberater und Familiencoach aus Duisburg eingeladen. Weyer ist Vorsitzender des Vereins “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.” und in der Beratung und Begleitung hilfebedürftiger Menschen tätig. Dazu zählen auch die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien.

Nach einem Kurzfilm zur Situation der Roma in Serbien und Kosovo, wird Herr Weyer, die in den Köpfen der Menschen nicht vorhandene Unterscheidung von Rumänen und Roma näher erläutern. Dazu wird er die geschichtlich entwickelten Vorurteile gegenüber Roma beleuchten und dann auf die daraus resultierende Situation der Zuwanderer am Beispiel Duisburg eingehen und erzählen was hier bisher getan bzw. (nicht) erreicht wurde. Anschließend ist Zeit für Fragen und Diskussion.

Schon 40.000 fordern: Abschaffung der ALGII-Sanktionen

Noch  bis zum 18. Dezember 2013 kann die Petition 46483 “Arbeitslosengeld II –  Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen (SGB II und SGB  XII)” unterzeichnet werden.
Die  Petition fordert die ersatzlose Streichung der Paragraphen des  Sozialgesetzbuches, welche eine Minderung des Regelanspruchs Bedürftiger  bis hin zur kompletten Leistungsaufhebung erlauben.
Durch  die aktuelle Gesetzgebung ist es der Agentur für Arbeit möglich, Leistungsempfängern Gelder zu streichen, falls sie gegen ihre Verpflichtungen verstoßen [1] oder auch nur ihrer Meldepflicht nicht nachkommen [2]. Als zu maßregelnder Verstoß zählt bereits ein einfaches Versäumnis eines Amtstermins oder die Nichtmeldung einer kleinen Nebentätigkeit.
Sanktionierungen gehören zur gängigen Praxis der Agentur für Arbeit – und das obwohl die  Minderung der Regelbezüge Bedürftige unter das im Grundgesetz verankerte Existenzminimum  abrutschen lässt. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Grundrecht eines jeden Menschen auf einen existenzsichernden Lebensstandard und gesellschaftliche Teilhabe.
»Gerade uns von “Wir Gehen Mit – Die Mitläufer e.V.” erreichen immer wieder Berichte unserer ehrenamtlichen Begleiter über unzumutbaren Gebrauch dieser Sanktionsmöglichkeiten. Diese reichen so weit, dass selbst Babies und Kleinkinder in Bedarfsgemeinschaften von massiven Kürzungen der elterlichen Existenzgrundlage betroffen sind«, so Klaus Sommerfeld, Vorstandsmitglied von “Wir Gehen Mit – Die Mitläufer e.V.”
Die  Petition läuft nur noch wenige Tage, circa 40.000 von 50.000 nötigen  Unterschriften sind bereits gesammelt – das Ziel ist nah und erreichbar! Deshalb rufen die “Mitläufer” hier nachdrücklich zur Unterstützung der Petition auf.
Unterzeichnen auch Sie!
Unterzeichnung der e-Petition online (bis einschließlich 18.12.13):
Postalische Unterschriftenliste (PDF):
(Unterschriftenlisten  müssen bis spätestens 17.12.13 im angegebenen Postfach oder 18.12.13 im  Büro des Petitionsausschusses eingehen oder können per Fax übermittelt  werden)
Aktuelle Informationen sowie alle Angaben zur Petition sind hier zu finden:

So schnell ist ein Jahr vergangen – auch wir werden älter

Persönliche Erinnerungen von biene, bengie, sascha, till

In diesen Tagen sind die Mitläufer ein Jahr alt geworden. Auslöser war ein Artikel in der FAZ von Johannes Ponader und der darauf folgende Tweet von Till Riebeling,

der nach wie vor aktiv mitarbeitet und auch Vorsitzender des später gegründeten unterstützenden Vereins ist. Danach hatten wir begonnen uns auf einer Email-Liste auszutauschen, die ersten Ideen in einem Pad (Kollaborative Textbearbeitung) gesammelt und schließlich eine Umfrage zu einer elektronischen Telefonkonferenz gemacht. Gleich von Anfang an wurden Kontaktdaten von Mitläufern in der Mitläuferliste gesammelt und öffentlich gemacht, die dann später durch die Mitläufersuche ersetzt wurde. Am. 18.07. war es dann endlich soweit und wir konnten uns das erste Mal direkt in der Telefonkonferenz (elektronisch im Mumble) austauschen (Unser Protokoll). Wir haben uns erstmal kennengelernt, uns darüber ausgetauscht was die Ziele der Initiative sein könnten und wie wir unsere Zusammenarbeit gestalten wollen. Wir trafen unter anderem, gleich zu Beginn die Entscheidung “So weit wie möglich Konsens herstellen, im Zweifelsfall demokratische Wahl.” (dies ist bis heute die Basis für die Zusammenarbeit in der Initiative) und entschieden uns für die “Unabhängigkeit von Parteien und anderen Institutionen”, was wir stetig zu unserem heutigen, gemeinsamen Mitläufer-Kodex weiterentwickelten.

In dieser Zeit haben einige einfach mal etwas für uns getan, um zur Umsetzung der Idee beizutragen:
Uns wurde z.B. ein Twitter Account eingerichtet, eine Mailingliste, ein Web- und Emailserver inkl. Domain, sowie eine Facebookgruppe gegründet und ein eigenes Team Pad zur Verfügung gestellt.

Mit der Initiative hatte sich ein Team zusammengefunden, welches die Vermittlung der Anfragen und die Suche neuer Mitläufer übernehmen konnte. Wir stellten aber fest, eine effektive Hilfe ist nur möglich, wenn wir neue Mitläufer finden und die Hilfesuchenden auf uns aufmerksam machen können (sowohl Online, als auch Offline) und die Beteiligten uns vertrauen.

Vertrauen konnten wir durch unseren Kodex und durch Transparenz (z.B. Veröffentlichung von Protokollen und Blogartikeln) schaffen und die Möglichkeit, dass sich jeder in unseren Mitläuferrunden einbringen kann.

Das Finden neuer Mitläufer und das Aufmerksam machen der Hilfesuchenden gestaltet sich schon schwieriger: Auch wenn wir Online schnell einen großen Kreis von Unterstützern erreichen können, sind wir viel zu wenige, um flächendeckend vor Ort Wirkung zu zeigen.
Wir müssen die Menschen auch mit Flyern auf uns aufmerksam machen, wir müssen auch die Möglichkeit bieten mit uns telefonisch in Kontakt zutreten. Doch für diese Zwecke ist es wesentlich schwerer Spender zu finden, wenn es keinen Verein oder ähnliches gibt, an den gespendet werden kann.

Also machten wir uns daran, eine Satzung für einen Verein zu entwerfen, der die Spenden einsammeln, transparent verwalten und zur Unterstützung der Online und Offlinearbeit verwenden kann.

Ende November 2012 wurde dann der Verein “Wir gehen mit – die Mitläufer” gegründet (Pressemeldung), um die Arbeit der Initiative zu unterstützen, der inzwischen auch in das Vereinsregister eingetragen ist.

Unser erstes, gemeinsames, persönliches Treffen! Anlässlich der Gründung des Unterstützervereins trafen wir uns im Unperfekthaus in Essen. Bei den ganzen Gesprächen und den Formalien zur Gründung, die wie gewohnt sehr konstruktiv abliefen – wenn auch nicht ganz ohne Schwierigkeiten mit dem Laptop, hatten wir dann sogar vergessen, rechtzeitig das Buffet dort zu besuchen – wir konnten nur noch ein paar der letzten belegten Brötchen ergattern. :-).
Aktuell warten wir nur noch auf auf die Anerkennung der Gemeinnützigkeit/Mildtätigkeit für den Verein.

Wenn wir zurückschauen, sind wir stolz auf Euch und uns, wir haben das Gefühl, daß wir eine Menge erreichen konnten.
In Zahlen sind das erstmal: 280 Einträge in der Mitläuferdatenbank, 1938 Follower auf unserem Twitteraccount, 650 Likes und 386 Mitglieder in unserer Facebookgruppe. Neu ist unsere wieder hinzugekommene G+-Seite – dort benötigen wir Eure Unterstützung. Dass wir viele Menschen über unsere Social Media-Kanäle erreichen können, ist vor allem für unsere aktuellen Mitläufersuchen wichtig.

Insgesamt sind unsere Suchen fast immer erfolgreich, es gibt wenige Ausnahmen und ein paar kleine Orte, an denen es wie verhext zu sein scheint, da sind einfach keine Mitläufer zu finden. Aber wir geben nicht auf, wir schreiben jetzt einfach einmal als Preis für den ersten Mitläufer in Hof/Bayern oder Kusel/Rheinlandpfalz eine Mitläufertasse aus… 😉

Wir haben im Lauf des Jahres unzählige Begleitungen vermittelt, haben selbst auf Ämter begleitet und haben keine Ahnung wie groß die Dunkelziffer von den Leuten ist, die direkt über die Mitläufersuche miteinander in Kontakt gekommen ist.
Wir haben zu einem Haufen Ämter begleitet, allen Vorran zu Jobcentern, danach kamen der gefühlten Reihenfolge nach: Amtsarzt/Psychologischer Dienst, Kindergeldstelle, Jugendamt, Ausländeramt, Sozialamt.
Generell begleiten Mitläufer zu allen Ämtern, aber es ist schon vorgekommen, daß jemand von einem Mitläufer zum Zahnarzt begleitet wurde, und einer älteren, ängstlichen Dame hat ein Mitläufer einmal Begleitschutz zu einem Geldautomaten gegeben. Selbstverständlich ist es in solchen Sonderfällen jedem individuell überlassen, wie weit das eigene Mitläuferdasein ausgedehnt wird.
Der Konsens in der Initiative war bereits früh, wenn sich ein Mitläufer für eine Begleitung findet, dann machen wir das natürlich!

Neben dem harten Kern des Orga-Teams haben wir einen Dunstkreis an Unterstützern, die gelegentlich mal im Mumble vorbeischauen, hier und da mithelfen, die Suche unterstützen, uns in Rechtsfragen helfen, uns Blogartikel schreiben, Flyer drucken, und so weiter, ein dickes Dankeschön hierfür!

Wir haben inzwischen auch einiges an Infrastruktur aufgebaut und Routinen entwickelt, um die Vermittlung von Mitläufern effektiver zu gestalten. Neben unseren Social-Media-Kanälen haben wir ein Mitläufertelefon, das in der Regel zu normalen Zeiten immer gut erreichbar ist, auch die Mails, die über unser Mitläuferpostfach eingehen, werden zügig bearbeitet und wir haben inzwischen die Mitläuferliste durch eine datenbankbasierte Suche ersetzt. All das wird auch regelmässig genutzt.

Es gab lokale Mitläufertreffen in Rheinhessen und in Berlin, in Duisburg (Mitläufer vor Ort) haben wir eine regelmäßige Sozialberatung. Wir haben uns auch mit einigen anderen Initiativen vernetzt und wollen auch in Zukunft mehr und gerne mit anderen Zusammenarbeiten.

Wir sind der Meinung das wir ein gutes erstes Jahr hatten, wir danken Euch allen auch für Eure Beitrage und hoffen, das wir im nächsten Jahr genauso viel auf die Beine stellen können. Cheers!

Natürlich freuen wir uns auch immer über neue Gesichter bzw. Stimmen, Ideen und Euer Engagement!

Solidarität und europäisches Miteinander (er)leben

Während ProNRW im Rahmen ihrer „Asylmissbrauch“-Tour in Duisburg Halt macht und andere Organisationen und Parteien bereits zur großen Gegendemo aufgerufen haben, zeigen drei Duisburger Hilfsvereine, wie Integration gelebt werden kann: Sie laden alle Interessierten Mitbürger zum Zeichen echter Solidarität am Dienstag, 12.03.2013 von 9.00 bis 11.00 Uhr zum Frühstück gemeinsam mit den dort wohnenden Rumänen in das sogenannte Problemhaus „In den Peschen 3-5“ in 47226 Duisburg-Bergheim ein.

Gemeinsam mit „Bürger für Bürger Duisburg e.V.“ haben sich die Vereine „ZOF e.V.“ und „Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.“ bereit erklärt den rumänischen Zuwanderern im Rahmen ihrer jeweiligen Kompetenzen zu helfen. „Man kann darüber streiten ob die Menschen hier willkommen sind, man kann darüber streiten ob das Problem von Europa gemacht wurde und man kann darüber streiten wie die Stadt auf diese Herausforderung reagieren soll – aber man kann über eines nicht streiten: Diese Menschen sind hier, sie leben in unserer Stadt, sie haben Hunger und ihnen muss geholfen werden!“ erklärt Rolf Karling, der seit Tagen mit seinem „Verein Bürger für Bürger Duisburg e.V.“ die Bewohner des Hauses In den Peschen 3-5 allabendlich mit Lebensmitteln versorgt.

Der Verein „ZOF e.V.“ wird in der nächsten Zeit beginnen die rumänischen Kinder an die deutsche Sprache heranzuführen. Trotz Schulpflicht können die Kinder die Schule nicht besuchen, weil ihnen grundlegende Deutschkenntnisse fehlen und sie dem Unterricht gar nicht folgen könnten. Wie in allen drei Vereinen üblich werden auch in diesem Fall ehrenamtliche Helfer diese Aufgabe übernehmen. Die Menschen müssen befähigt werden sich in Deutschland verständigen zu können. Nur durch die Möglichkeit der Kommunikation können Spannungen im Umfeld abgebaut werden.

„Alle Beteiligten befinden sich in einer Zwickmühle.“ erklärt Hans-Peter Weyer, Pressesprecher des Vereins „Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.“, die Situation. „Schon beim Meldeamt gibt es Probleme, weil niemand deutsch spricht. Anmeldungen zur Schule können aus gleichem Grund nicht stattfinden. Und auch Verständigung mit den Nachbarn kann nicht wirklich stattfinden, weil die nötigsten Grundlagen der Kommunikation nicht bestehen.“

Mit dem gemeinsamen Frühstück gerade zum Zeitpunkt der ProNRW-Demo, wollen alle drei Vereine deutlich machen, dass für ein geeintes Europa die Bereitschaft zur Kommunikation und das Verstehen und Akzeptieren des jeweils Anderen wesentliche Voraussetzung ist. „Wer am Frühstück teilnehmen und europäisches Miteinander mit uns leben möchte, ist am Dienstag von 9-11 Uhr dazu herzlich eingeladen“, so Weyer.

Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich? – Wenn sie es sich leisten können!

Durch Änderungen im Bereich der Prozesskostenhilfe erhoffen sich die Länder Einsparungen von bis 70 Millionen Euro – doch zu welchem “Preis”?

Die Rechte von Menschen, die sich ein Verfahren nicht leisten können, werden seit geraumer Zeit immer weiter beschnitten. Nachdem zunächst in NRW durch das 2. Gesetz zum Bürokratieabbau in vielen Fällen die Widerspruchsverfahren abgeschafft wurden, werden nunmehr die Voraussetzungen zum Erhalt von Beratungs- und Prozesskostenhilfe immer weiter erhöht. Das die Prozesskostenhilfe nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf auch während des laufenden Verfahrens zurückgenommen werden können soll setzt dem Ganzen die Krone auf.

Zu den Kernprinzipien eines Rechtstaats gehört es, auch für das eigene Recht vor Gericht gehen zu können.
Damit es nicht zu einer Zweiklassenjustiz kommt und diese Möglichkeit auch jedem offen steht, wurde die Prozesskostenhilfe eingeführt. “Wir wollten diejenigen, die aus eigener Kraft nicht ihre Rechte wahrnehmen konnten, waffengleich machen.” sagte Bundesminister a.D. Gerhard Baum in einem Interview mit dem ARD Magazin “Monitor”.

Die Länder erhoffen sich durch die Beschneidung der Prozesskostenhilfe Einsparungen von bis zu 70 Millionen Euro. Doch gerade viele Klagen im Bereich von Alg II, auch um sogenannte Kleinbeträge, könnten schon dadurch überflüssig gemacht werden, dass im Vorfeld rechtskonform gearbeitet würde. Einen Hinweis hierauf liefert die hohe Zahl an erfolgreichen Klagen von 47,3% bundesweit im Jahre 2010. (vergl. Information des statistischen Bundesamts)
Außerdem sind natürlich oft Menschen, die sehr dringende Verfahren im Bereich Arbeits- oder Familienrecht führen müssen, von den Änderungen betroffen, zum Beispiel wenn es um das Sorgerecht für Kinder geht.

“Sollte dieses Gesetz so verabschiedet werden, was wir nicht hoffen, wird es für jeden Einzelnen um so wichtiger, einen Beistand mit zum Amt zu nehmen, weil eine Korrektur auf dem Rechtsweg erschwert wird. Das tatsächliche und gefühlte Risiko wird für Geringverdiener zu groß. Recht darf nicht zu einem Privileg werden, sondern muss Recht für jeden bleiben. Die existierende Prozesskostenhilfe ist eine wichtige Grundlage für Fairness, Gerechtigkeit und Ausgleich in unserer Gesellschaft.”, so Till Riebeling von den Mitläufern.
Es wäre dann also zu befürchten, daß sowohl aus Angst, wie auch aus fehlendem Wissen in rechtlichen Details, absolut berechtigte Ansprüche nicht geltend gemacht werden.

Bundesminister a.D. Gerhard Baum drückt es im zuvor erwähnten Interview anders aus: “Was jetzt geschieht, ist doch eine Aushöhlung dieser Rechte, insbesondere für Niedriglohnbezieher. Ich würde mir wünschen, dass der Gesetzentwurf in der jetzigen Form nicht verabschiedet wird.”

Teilt den Abgeordneten im Deutschen Bundestag mit, dass ihr keine Einschränkung der Beratungs- und Prozesskostenhilfe wollt.
Stimmt im Petitionssystem des Bundestags für die Petition 38829!

Weitere Informationen:

Die Mitläufer: Eine schöne Bescherung!

Der große Philosoph George Berkeley soll einmal gesagt haben: “Sein, ist wahrgenommen werden.” An diesen Satz musste ich denken, als am 1. Weihnachtsfeiertag das unten eingefügte Video auf Youtube erschien. Offensichtlich sind die Mitläufer wahrgenommen worden!

Und auch das bekannteste Zitat des großen Mahatma Ghandi scheint sich in diesem Video zu bestätigen. Er sagte: “Zuerst ignorieren sie Dich! Dann belächeln sie Dich! Dann bekämpfen sie Dich! Und dann, dann wirst Du sie besiegen!”

Um es gleich vorweg zu sagen: Wir wollen niemanden besiegen. Weder die Mitstreiter in den anderen Organisationen, Vereinen und Institutionen [3] noch die Mitarbeiter in den Ämtern und Jobcentern.

Und auch ganz klar gesagt: Wir wollen die schnellstmögliche Abschaffung des Unrechtssystems HARTZ4 ! Offensichtlich fühlen sich aber manche streitbaren Geister dazu berufen, die Arbeit der Mitläufer diskreditieren zu müssen. Sonst könnte ein solches Video nicht zustande kommen.

Wir bleiben bei unserem Grundsatz, Mitläufer wirken deeskalierend [1]! Wir lassen den anderen Gruppen gern ihre Art des Vorgehens. Aber was haben zehn Jahre Kampf gegen das System bisher gebracht? Was hat es gebracht, dass den Leuten eingetrichtert wird ohne Justiz kommt man nicht zum Recht? Was hat der bisherige Konfrontationskurs gebracht? Was hat es dem Einzelnen gebracht?

Es hat zumindest dazu geführt, dass die Menschen mit Angst zum Jobcenter gehen, weil dort scheinbar Monster hinter den Schreibtischen sitzen, die mit aller Macht bekämpft werden müssen. Und diese “Monster” schlagen unbarmherzig zurück und nutzen ihre Machtstellung aus, um auch mal zu zeigen, dass sie was zu sagen haben.

Wir wollen, dass damit Schluss ist.Wir wollen, dass es möglich ist ohne Angst zum Amt oder Jobcenter zu gehen. Wir wollen den Menschen (eben nicht Monstern) hinter den Schreibtischen die Chance geben, ihren eigentlichen Auftrag, nämlich Betreuung und Beratung der “Kunden”, leisten zu können.

Unser Anliegen ist es nicht, das System Hartz4 zu erhalten. Es muss abgeschafft werden! Aber solange es dieses System noch gibt, muss der einzelne Hilfesuchende die Möglichkeit haben, dort vorzusprechen und seine Anliegen bearbeitet zu bekommen, ohne dass ein Kleinkrieg [2] zwischen ihm und dem Sachbearbeiter entsteht. Das geht, nach unserer Ansicht, nur mit einem deeskalierenden Beistand!

Nur wenn es uns gelingt Gespräche zu führen und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen, kann es gelingen aus dem System, solange es dieses noch gibt, für jeden Einzelnen das Beste rauszuholen – das ist unser Ansatz. Und den vertreten wir hier auf diesem Blog in unserer Facebook-Gruppe und zu anderen Gelegenheiten. Wer sich daran auf unseren Seiten nicht halten und Parolen, Hetze und Ähnliches verbreiten will, hat da nichts zu suchen und wird gelöscht. Dieses Recht nehmen wir uns heraus – wie sich Andere herausnehmen ihren Weg zu gehen.

Mitläufer und Hilfesuchende können sich aussuchen, welcher Weg der ist, den sie mitgehen wollen. Sie sind herzlich willkommen.

Hier das oben angesprochene Video:

[1]Unser Kodex: http://wirgehenmit.org/?page_id=16
[2]Unsere Stellungnahme zur Gewalt: http://wirgehenmit.org/?p=512
[3]Unser Angebot zur Zusammenarbeit: http://wirgehenmit.org/?p=431

Warum Hartz4-Empfänger einen Beistand brauchen

Eine Betrachtung psychologischer Hintergründe und Wirkungen beim Einsatz einer dritten Person bei Amtsbesuchen nach §13 Abs. 4 SGB X
von Familiencoach Hans-Peter Weyer, Duisburg

Seit einigen Monaten gibt es die Initiative “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.”. Die Initiatoren und Mitstreiter haben sich zum Ziel gesetzt, dass niemand mehr ohne einen Beistand zu einem Amt muss. Das Gesetz gibt in §13 Absatz 4 SGB X dazu die notwendige Grundlage. Was aber bringt solch ein Beistand? Die Idee der Initiative ist es, deeskalierend zu wirken, indem das scheinbare Machtgefälle zwischen Sachbearbeiter und Bürger durch eine dritte Person aufgehoben wird. Und die Erfahrungsberichte der bisher begleiteten Menschen zeigen deutlich, dass dies offensichtlich der richtige Weg ist. Das klingt zunächst einmal gut. Was aber geschieht in solch einem Fall tatsächlich mit den beteiligten Menschen? Welche psychologische Wirkung hat die dritte Person beim Amtsbesuch? Diesen Fragen möchte ich im Folgenden nachgehen.

Menschen – das ist das Entscheidende! Es sitzen auf beiden Seiten des Schreibtisches Menschen. Und Menschen haben jeder für sich ganz persönliche Träume, Wünsche, Ideen aber auch Sorgen, Probleme, Ängste. Jeder der beiden Menschen auf den verschiedenen Seiten des Schreibtisches hat zudem ganz verschiedene Erfahrungen, vielleicht unterschiedliche Ansichten, immer eine ganz andere Sozialisation. Sie sind in ganz unterschiedlichen Verhältnissen groß geworden, haben möglicherweise unterschiedliche Schulbildungen und ganz verschiedene Möglichkeiten gelernt ihr Leben zu gestalten. Ich könnte hier noch eine Menge Beispiele aufzählen, die diese beiden Menschen voneinander trennen – ohne damit den Schreibtisch zu meinen.

Schon im normalen Zusammenleben der Menschen und in ihrer alltäglichen Kommunikation finden solche Unterschiede oft Ausdruck in Missverständnissen, Streitereien und manchmal Unverständnis. Wieviel mehr kann es zu Spannungen kommen, wenn zu diesen in den jeweiligen Personen steckenden Differenzen, noch ein scheinbares Machtgefälle durch äußere Gegebenheiten hinzukommt?

Menschen, die ein Amt besuchen müssen, sind immer in einer Situation, die direkt oder indirekt ihre Existenz bedroht. Das Amt ist immer bedrohliche Obrigkeit für die persönliche Lebensführung. Wer weiß schon, was ihn trotz aller Vorbereitung tatsächlich erwartet? Wie wird sich der Sachbearbeiter verhalten, wie ist er grade drauf? Hat er Verständnis oder arbeitet er nach 08/15 alle “Nummern” ab? Entsprechende Ängste und Unsicherheiten sind ständige Wegbegleiter beim notwendigen Gang zum Amt.

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Stellungnahme gegen Gewalt

Aufgrund aktueller Vorkommnisse rund um die Tragödie in Neuss, wie z.B. der vereinzelt geäußerten Meinung daß das eine gerechtfertigte Tat gewesen wäre, möchten wir uns hiermit klar gegen Gewalt positionieren:

Wir, die Mitläufer, sprechen uns gegen Gewalt jeglicher Art aus. Als soziale Initiative ist es unsere Überzeugung daß Gewalt, egal welcher Art, egal in welche Richtung, kein akzeptables Mittel ist.

Aus der Physik wissen wir, daß auf jede Aktion eine Gegenaktion folgt, das ist bei Gewalt ebenso, nur daß die Reaktion zumeist heftiger ausfällt. Gewalt, ganz gleich ob körperliche, verbale oder psychische sorgt für Verletzungen und Kränkungen und erzeugt als Reaktion erneut Gewalt, oft gegen den ursprünglichen Verursacher gerichtet, oft aber auch gegen vorher unbeteiligte Dritte, die schwächer sind. Das Ganze schaukelt sich auf, und erzeugt einen abwärts gerichteten Kreislauf, Gewaltspirale genannt.

Diese Gewaltspirale gilt es zu durchbrechen. Es gibt keine positiven Aspekte der Gewalt, Gewalt zerstört, nachhaltig. Gewalt hinterlässt verbrannte Erde, Narben, zerstörte Menschen, und das nicht nur bei den Geschädigten, sondern auch bei den Tätern. Diese empfinden Reue, Scham, Ohnmacht, Wut über sich selbst, und jagen sich damit selbst wieder in die Gewalttätigkeit.

Ein beispielhafter Verlauf einer Gewaltspirale sieht wie folgt aus: Eine Person beleidigt eine andere, immer wieder, bis sich bei der beleidigten Person genug Frustration aufgestaut hat, daß diese anfängt sich zu wehren. Das kann ebenfalls verbal sein, oder, bei entsprechendem Frustlevel physisch, indem die Person zuschlägt. Der bisherige Aggressor wird dabei vom Täter zum Opfer und fühlt sich nun seinerseits gedemütigt. Ist diese Demütigung stark genug (z.B. weil sie vor anderen Menschen erfolgte) entscheidet sich dieser für eine Gegenaktion die dem ehemaligen Opfer “eine Lektion erteilen” soll. Das kann z.B. sein daß er mit einem Baseballschläger oder einem Messer auf denjenigen losgeht, und ihn schwerwiegend verletzt. Das erneute Opfer fühlt sich dadurch noch schwerer gekränkt, und schmiedet im Krankenhaus Rachepläne.. Sobald er entlassen wird besorgt er sich eine gefährlichere Waffe, z.B. eine Pistole und lauert damit seinem Schädiger auf.

Das ist natürlich nur eine vereinfachte und verkürzte Darstellung, entspricht aber dem was täglich passiert, wenn Gewalt involviert ist. Damit muß Schluss sein. Existierende Gewaltspiralen müssen durchbrochen werden.

Grundlegender Mechanismus ist, daß jegliche Gewalt (und natürlich weitere Einflüsse) gegen einen Menschen dessen Aggressionslevel erhöht. Solange die diesem Menschen innewohnende Hemmschwelle höher ist als der Aggressionslevel kann sich der Mensch gut zurückhalten, ist die Hemmschwelle jedoch niedriger als die Aggression kann es vorkommen daß  der Mensch selbst gewalttätig wird. Verschiedene Arten der Gewalt haben  verschiedene Hemmschwellen, so ist es leichter verbal anzugreifen als physisch, und es ist leichter einen Schlag auf den Arm zu platzieren als ins Gesicht. Je stärkerer Gewalt jemand ausgesetzt ist desto stärker steigt auch der Aggressionslevel, und desto stärker kann der Gewaltsausbruch ausfallen.

Gewalt ist keine Lösung sondern schafft Probleme, immer.

Der Gesetzgeber begrenzt sogar, zu Recht, die erlaubte Gewalt in Notwehr- und Nothilfesituationen. Auch in Situationen der Not muß Gewalt angemessen sein, und darf auch nicht präventiv erfolgen. Wer z.B. glaubt angegriffen zu werden und daher zu Gewalt greift verlässt den Rahmen der Notwehr und wird selbst zum Täter. Wer jemandem die Nase bricht weil er am Arm angefasst wurde verlässt ebenso den Rahmen der Notwehr und wird selbst zum Täter.

Wir sprechen uns folglich für Gewaltlosigkeit in jeglicher Form aus und tolerieren Gewalt, sowie Aufrufe zu Gewalt nicht. Als soziale Initiative liegt uns eine Verbesserung der Situation für alle Beteiligten am Herzen, dieses ist mit keiner Art der Gewalt vereinbar, und daher stellen wir uns entschieden (aber friedlich) Befürwortern von Gewalt entgegen.

Eine Verbesserung der Situation lässt sich nur durch konsequenten Verzicht auf jegliche Form der Gewalt erreichen.

Das Mitläufer-Team