MÜNCHEN: Kooperation der Mitläufer mit der Interessengemeinschaft der Erwerbslosen München und Umgebung (IGEL)

Schon das erste Treffen von mir als Vertreterin der Mitläufer und David Herzog als Vertreter von IGEL lief außerordentlich produktiv und die geplante Zusammenarbeit wurde umgehend konkretisiert:
– Wir haben uns das Ziel gesetzt, eine gemeinsame Datenbank, die die Beistände aller Münchner Erwerbslosen-Initiativen sowie unorganisierte Beistände umfasst, zu schaffen und zu füllen. Als Praxisversuch soll das über die Infrastruktur der Mitläufer laufen, wenn das gut klappt, kann dieses Modell ggf. auch für andere Städte und Kooperationen genutzt werden. Hierbei wird selbstverständlich darauf geachtet, daß die Beistände darüber entscheiden, ob nur die Mitläufer, nur die Münchner Initiativen oder beide auf Ihre Daten zugreifen können.
– Wir möchten in den nächsten Monaten intensiv Beistände gewinnen, dazu haben wir folgende Ideen:
* Über Studentenpraktika in den Bereichen Jura/Sozialpädagogik etc.
* Über die Stelle für Bürgerliches Engagement des Sozialreferates
* Über Vereine und Initiativen wie z.B. Tatendrang e.V.
* Über Flyer, Infomaterial, den regelmäßigen Infostand von IGEL, die Kanäle der Mitläufer, etc.
– Im Januar ist dann für alle, die Beistände sind oder werden wollen ein gemeinsames, kostenloses Einführungsseminar zum Thema Begleitung zum Amt in München geplant, bei dem David als Referent die neuen Mitläufer an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben lässt. Das schließt eine “Nachbetreuung” für Fragen, die sich erst aus den folgenden Begleitungen ergeben, mit ein.
Mich freut auch, daß wir in München mit der IGEL eine kompetente Anlaufstelle haben, auf die wir verweisen können, wenn es um Belange geht, die über eine Begleitung hinausgehen, zum Beispiel wenn Rechtsberatung erforderlich ist.
Ich freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit!

Zusammenarbeit mit anderen Initiativen und wo wir uns sehen

Die Mitläufer hatten ihr erstes Online-Treffen am 18.7.2012.  Damit sind wir  die “New Kids on the Block”. Es gibt viele andere Initiativen die seit  Jahren im Bereich Hartz 4 ausgezeichnete Arbeit leisten. Zusätzlich gibt es auch viele Einzelkämpfer, die sich hier engagieren. Daraus ergibt sich ein breites, buntes Spektrum von ganz unterschiedlichen  Menschen mit einem gemeinsamen Ziel: Es soll denen besser gehen, die es durch existenzielle Nöte mit dem derzeitigen Sozialsystem am Schwersten haben.

Die  Wege und Ideen dazu sind so unterschiedlich wie die beteiligten Menschen und Organisationen. Darunter sind karitative Einrichtungen, psychosoziale  Beratungsstellen, Vereine zur Rechtsberatung oder politische Bewegungen. Ihre Einstellungen reichen von religiös motivierter Nächstenliebe bis zum revolutionären Aufruf  “Macht kaputt was Euch  kaputt macht”.

Als Mitläufer haben wir bisher sehr unterschiedliche Reaktionen aus diesem Spektrum bekommen. Darunter großes Lob, abwartende Neugier und skeptisches Interesse. Die Äußerungen reichten von “die haben ja  keine Ahnung” über  “die wildern in unserem Revier” bis “die sind total  weichgespült”. Deshalb ist es an der Zeit, deutlich zu machen, wo wir uns sehen, und wie wir uns eine Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Aktiven vorstellen  können.

Was wollen wir?

– Wir sind eine soziale Initiative, unsere Vereinsgründung ist auf dem Weg. Wir sind überparteilich, unabhängig und religiös neutral. Wir wollen  mit unserer Arbeit Niemanden missionieren. Auf Basis eines Minimalkonsenses wollen wir möglichst breit mit Anderen zusammenarbeiten und möglichst viele Menschen für unsere  Ziele gewinnen.

–  Wir  möchten solidarisch und konstruktiv zu Ämtern begleiten und solche  Begleitungen vermitteln. Es geht darum, den Betroffenen zu stützen und eine für ihn bestmögliche Lösung zu finden. Es geht  uns nicht um Konfrontation und Blockade. Wut,  Agressionen und auch das Gefühl von Ohnmacht  verstehen wir gut. Wir wünschen uns, daß hieraus konstruktive Energie auch für politische Arbeit entsteht, die jedoch an anderer Stelle stattfindet.Wir halten Wut und Agression gegenüber Sachbeabeitern jedoch nicht für zielführend.  Mit Sachlichkeit, Freundlichkeit und respektvollem Umgang kann nach unserer Meinung mehr erreicht werden. Wir als Mitläufer sind eine soziale Initiative, bei der es um die Notsituation der Betroffenen JETZT geht.

–  Wir beschränken uns ausschließlich auf das Begleiten zu Ämtern und die  Vermittlung von Beiständen sowie auf die dazu erforderliche Öffentlichkeitsarbeit. Wir wissen, daß ein riesiger Bedarf an Rechtsberatung, Psychosoziale Beratung und weiteren Angeboten dieser Art besteht. Aber das können und wollen wir nicht leisten, da unser Schwerpunkt ausschliesslich bei der unterstützenden Begleitung durch Beistände liegt.

Wir freuen uns allerdings darauf, Netzwerke mit anderen Initiativen zu entwickeln, auf die wir diejenigen  verweisen können, die einen weiterreichenden Bedarf haben. Umgekehrt freuen wir uns helfen zu können, wenn eine Initiative einen Engpass an Beiständen hat.

– Wir versuchen bewusst Beistände aus allen Lebenssituationen zu gewinnen, da es uns wichtig ist auch Menschen, die sonst nicht mit dem Sozialsystem in Berührung kommen, einen Einblick in die Problematik zu verschaffen. Wir möchten damit sensibilisieren, Kontakte entstehen lassen und Vorurteile abbauen. Wir stellen nicht die Anforderung, daß sich ein Beistand im Sozialrecht auskennt, auch wenn uns das bereits erste Kritik eingebracht hat. Je besser ein Begleiter sich auskennt, desto  hilfreicher kann er vielleicht sein. Darüber freuen wir uns und auch die Begleiteten. Aber auch Jemand, der nur aufmerksam zuhört und einfach da ist, bewirkt (nach unserer Erfahrung)  für den Betroffenen schon einen entscheidenden Unterschied.  Für ihn ist es auf jeden Fall besser, als in einer schwierigen Situation allein zu sein.  Wir hören oft Aussagen wie “Ich will ja gern helfen, aber ich kenne mich damit überhaupt nicht aus.” Der Wille und das Engagement zu helfen reicht vollkommen aus um Mitläufer zu sein. Wenn aus den initialen Kontakten mehr Engagement und weitergehendes Interesse entsteht, egal ob bei den  Mitläufern, lokalen Initiativen oder auf anderen Wegen, freuen wir uns sehr, aber bei uns soll die Hürde zum Mitmachen sehr niedrig sein. Sozialrechtsexperten müssen wissen wovon sie reden – freundliche helfende Beistände müssen im richtigen Moment einfach da sein.

–  Wir sind eine bundesweite Initiative. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die Mitläufer, die auch organisatorisch aktiv sind, kennen sich nur  teilweise persönlich. Meinungsverschiedenheiten können nicht bei einem Getränk in einem persönlichen Gespräch bereinigt  werden, bestenfalls per Telefon. Die Arbeit über Telefonkonferenzen, Pads und Mailingliste erfordert viel Disziplin und unterscheidet sich deutlich von Treffen vor Ort. Das macht die Mitarbeit von Menschen, die diese Arbeitsweise nicht gewohnt sind, sowie die Zusammenarbeit mit  örtlich entfernten Initiativen erst einmal ein bißchen schwieriger. Diese Strukturen bieten jedoch auch die Chance sich aktiv einzubringen, wenn man weit voneinander entfernt ist. Sie bieten  Möglichkeiten zur Vernetzung und zur großflächigen Koordinierung mit einer großen Reichweite. Manchmal kostet das viel Kraft und wir sind ständig bestrebt unsere Arbeitsweise zu  verbessern und effektiver zu machen. Aber wir haben Freude daran und laden auch weiterhin zur Mitarbeit und Zusammenarbeit ein.

–  Wir möchten Aufmerksamkeit für unser Anliegen generieren und ganz viele Leute erreichen. Wir möchten, daß so viele Menschen wie möglich einen Beistand für den Gang zum Amt haben, und zwar so  lange, bis keine Notwendigkeit mehr dafür besteht. Die meisten bekannten Initiativen arbeiten auf eine andere Art zusammen als wir und haben lokale Schwerpunkte und Zielsetzungen. Wir wollen dazu nicht in Konkurrenz treten, sondern herausfinden, wo wir uns ergänzen können und wo wir unsere Unterschiede für Synergien nutzen können. Wir hoffen auf gegenseitige Unterstützung  bei unserem gemeinsamen Anliegen und glauben, dass wir zusammen mehr Beachtung erreichen.

Wie kann konkret eine Zusammenarbeit aussehen?

Immer wieder wird unsere “Nähe zu den Piraten” zum Thema gemacht.  Die Piratenpartei hat uns Infrastruktur zur Verfügung gestellt, die  Mailingliste und die Piratenpads. Das erleichtert uns die bundesweite Zusammenarbeit extrem. Natürlich sieht man das in unseren Links und bei unserer täglichen Arbeit. Vonseiten der Mitglieder der Piratenpartei  besteht großes Interesse an unserer Arbeit, viele haben sich in die Mitläuferliste  eingetragen und ein paar sind auch organisatorisch bei uns  aktiv. Auch von der Partei Die LINKE war anfänglich viel Interesse da, welches sich aber kaum sichtbar niedergeschlagen hat. Unser Mumble (Konferenz-Software) läuft auf dem Server von www.zensus11.de, unseren ersten Flyerdruck hat uns die Initiative Bürger für Bürger Duisburg e.V. gespendet, sonstige IT und die Domains sind Spenden von  Privatpersonen. Wenn uns die CDU eine Datenbank spendieren will, die  FDP unser neues  Blogdesign, die SPD die Fahrtkosten zu unserer  Vereinsgründung, die Grünen uns mehr Flyer auf Umweltschutzpapier und wenn Die LINKE ihre Anlaufstellen für Beistand in die Mitläuferliste einträgt, freuen wir uns riesig. Aber sie haben es bis jetzt noch nicht getan. Die PIRATEN schon. Uns ist Parteizugehörigkeit und Zugehörigkeit zu anderen Gruppen egal. Wenn sich ein   bayerischer Trachtenverein, Manager-ohne-Grenzen oder der feministische Buchclub bei uns engagieren wollen: Willkommen! Einzig Nazis wollen wir hier nicht haben!

Es gibt Initiativen, die in Ihren Schwerpunkten sehr nahe bei uns sind, andere eher sehr entfernt. Uns geht es um den jeweiligen Minimalkonsens. Abhängig davon, wieviel Übereinstimmung besteht, kann eine  Zusammenarbeit in Form von Verlinkung und Blogartikeln, Hinweise auf  Aktionen der anderen, Weitervermittlung von Begleitungen oder  Beratungen, Erfahrungsaustausch, Eintrag in die Mitläuferliste,  gemeinsame Aktionen oder Erklärungen/Pressemitteilungen, gemeinsame Nutzung von Materialien, gemeinsame Infostände etc. stattfinden. Wir  wollen das Rad nicht neu erfinden. Wir wollen unsere Energie nicht  darauf verwenden, all die gute Arbeit,  die von Initiativen schon  gemacht wurde noch einmal zu machen. Wir wollen mit unserem Angebot  keine Konkurrenz schaffen, vielmehr eine Ergänzung.

Noch  ein Hinweis: Wir sind bisher bundesweit weniger als zehn Leute, die regelmäßig an den Orga-Konferenzen teilnehmen. Der größte Teil davon ist nicht nur  berufstätig, sondern auch über die Mitläufer hinaus ehrenamtlich engagiert. Trotzdem haben wir uns große Ziele gesetzt. Wir bitten Euch daher um ein bißchen Geduld, wenn wir nicht immer die Schnellsten sind. 😉

Wir möchten gerne alle interessierten Initiativen zu einer  Mumble-Telefonkonferenz einladen, zu einem ersten Kennenlernen, mal  miteinander zu sprechen und  offene Fragen zu beantworten.Den genauen Termin sowie die notwendigen technischen Informationen werden wir demnächst bekanntgeben.

Für die Mitläufer: Till, Frank, Biene, Sascha, Bengie, HP

UPDATE: Der Kennenlern-Mumble-Termin ist am 7.11. um 20.30 Uhr.
==   Zugang zum Mumble ==
* Raum: WirGehenMit
* Server: mumble.wirgehenmit.org
* Port: 64738   (standard)
* User: beliebig (Wichtig: Keine Sonderzeichen  verwenden)
* Passwort: keins
* Anleitung: [http://wiki.piratenpartei.de/Mumble]
* Push to Talk einrichten: [http://wiki.natenom.name/mumble/benutzerhandbuch/mumble/pushtotalk]
* Text zu Sprache abschalten: [http://wiki.natenom.name/mumble/benutzerhandbuch/mumble/textzuspracheaus]
Beim  ersten mal bietet es sich an, sich einige Minuten vor  Sitzungsbeginn  einzuloggen, um eventuelle technische Probleme zu  beseitigen und ein  kleines bisschen Sicherheit im Umgang mit Mumble zu  bekommen. Die schon  anwesenden Mitläufer helfen dabei gerne wo möglich.

Die Mitläufer beim Stadtfest in Duisburg

Am Samstag den 1.9.2012 waren wir mit unseren Mitläufern Frank und H.P. beim Stadtfest in der Duisburger-City an einem Infostand vertreten.

Es wurden nahezu 500 Flyer verteilt und mit sehr vielen Menschen gesprochen. Wir haben super Feedback erhalten und konnten die Idee der Mitläufer in Duisburg weiterverbreiten. Seit der Aktion sind daraufhin etliche interessierte Anrufe über unsere bundesweiten Telefonnummern (02065-7923199 oder 06131 – 3271815) eingegangen. In unserer Mitläuferliste haben sich bereits 6 Menschen aus Duisburg als ehrenamtliche Begleiter eingetragen, und wir hoffen, dass es dort und in allen anderen Teilen Deutschlands noch viele mehr werden.

Wir möchten uns bei Bürger für Bürger Duisburg e.V. für den Flyerdruck und bei den Piraten Duisburg für die Einladung bedanken.

Hier ist Franks Blogartikel dazu.

Bild  CC-by HPWeyer