Aktive “Mitläufer” in Berlin

Am Donnerstag, 08.05.2014, wird der Verein ‘Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.’ an verschiedenen Jobcentern in Berlin die Arbeit der ‘Mitläufer’ im Rahmen einer Flyer-Aktion den Besuchern vorstellen.

“Immer mehr Menschen leiden unter der restriktiven Politik und den immer mehr ausufernden Sanktionen der Jobcenter.” erklärt Hans-Peter Weyer, 1. Vorsitzender des Vereins ‘Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.’ “Da sollte niemand mehr allein zum Amt gehen. Der ehrenamtliche Dienst der Mitläufer wird auch in Berlin immer dringender.” Um den betroffenen Kunden der Jobcenter von der Möglichkeit zu erzählen einen kostenlosen und ehrenamtlich tätigen Mitläufer als Beistand mitzunehmen, wird Weyer mit anderen Mitläufern vor drei Berliner Jobcentern Flyer verteilen sowie Rede und Antwort stehen.

Am Donnerstag, 08.05.2014, werden die Mitläufer von 08.00 Uhr bis 10.00 Uhr vor dem Jobcenter Neukölln, Mainzer Strasse 27 anzutreffen sein. Von ca. 10.30 bis 13.00 Uhr können Betroffene die Mitläufer vor dem Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg, Rudi-Dutschke-Strasse 3 ansprechen. Und auch Berufstätige oder Selbständige haben die Möglichkeit sich vor dem Jobcenter Mitte, Seydelstrasse 2-5, von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr, über die Arbeit der Mitläufer in Berlin informieren zu lassen.

“Wer uns am Donnerstag nicht antrifft, kann sich jederzeit unter mitlaeufer-suche.tk selbst an einen Berliner Mitläufer wenden oder über unsere bundesweite Rufnummer 02065-7923199 weitere Informationen einholen.” verspricht Weyer, der als Sozialberater aus Duisburg auch über die Mailadresse hpweyer@wirgehenmit.org bundesweit mit Fragen angesprochen werden kann.

Die Mitläufer wünschen frohe Weihnachten und ein erfolgreiches Jahr 2014

Liebe Hilfesuchende, liebe Freunde,
liebe Mitläufer, liebe Kooperationspartner!

Ein bewegendes Jahr voller Höhen und Tiefen in allen Bereichen liegt hinter uns. Im Verein gab es heftige Diskussionen über die Ausrichtung der Mitläufer, tagelange Downtime unserer Homepage, vorübergehender Ausfall unserer Mitläufer-Suche und Neuwahl des Vorstandes. In der Politik hat sich nichts positiv verändert, sondern die Lage wird immer schwieriger. Die Not der Menschen nimmt ständig zu. Die Anfragen nach Begleitung und Beratung und die damit verbundenen Aufgaben werden immer mehr.

Und bei Alledem ist die Marschrichtung der Mitläufer immer noch klar und eindeutig: Ehrenamtlich, hilfsbereit, engagiert und solidarisch immer an der Seite der Menschen, die unsere Hilfe wollen, genau da hin, wohin uns die Menschen mitnehmen wollen. Diese Marschrichtung haben wir alle gemeinsam in den letzten eineinhalb Jahren ungeachtet aller Probleme und Schwierigkeiten beibehalten. Dabei sind wir zu einer Solidargemeinschaft zusammengewachsen, in der inzwischen über dreihundert Menschen bundesweit ihre Hilfsbereitschaft und ihr ehrenamtliches Engagement unter dem Kodex der Mitläufer zeigen und leben. Eine stetig wachsende Vernetzung mit Kooperationspartnern verschiedener Hintergründe und Aufgabengebiete läßt die Hilfe für die Menschen, die sich uns anvertrauen, immer professioneller werden und ermöglicht es uns fachkundige Beratungen und sachgerechte Hilfe unserer Begleitung voranzustellen.

Die Zahl der Begleitungen, die wir seit Bestehen der Mitläufer durchgeführt haben, können wir von hier aus gar nicht abschätzen, aber als Anhaltspunkt sei die Zahl von weit über 500 Begleitungen in diesen eineinhalb Jahren genannt, die allein durch unseren Frank Knott in Duisburg und Umgebung durchgeführt wurden – neben seiner Tätigkeit an der zentralen Telefonnummer der Mitläufer. Möglich sind diese vielen hundert Begleitungen in ganz Deutschland durch Euer stetiges Engagement und das Vertrauen, das uns die Menschen entgegenbringen, die unsere Begleitung wünschen. Für dieses Vertrauen sagen wir Dankeschön allen Begleiteten, aber auch Dankeschön an alle Mitläufer. Nur durch Eure gute Arbeit ist dieses Vertrauen entstanden und gewachsen.

Die Idee, Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten und damit die größte Solidargemeinschaft ehrenamtlich tätiger Menschen zu schaffen, hat laufen gelernt. Und wir laufen inzwischen in die verschiedensten Richtungen. Hauptrichtung ist immer noch das Jobcenter (Alg II/Hartz4), gefolgt von Amt für Grundsicherung (Sozialhilfe), Ausländeramt, Jugendamt, Rentenversicherung und Kindergeldkasse. Doch die Anfragen gehen schon weit über die erste Idee, einer Begleitung zum Amt, hinaus. Auch Begleitungen zu Kreditverhandlungen, amtsärztlichem Dienst, Zahnarzttermin, Gerichtstermin oder Schulpflegschaft sind schon angefragt worden. Besonders gern haben wir auch die Anfrage einer älteren Dame positiv beantwortet, die jemanden haben wollte, der sie begleitet, wenn sie ihre Rente von der Bank abholt. Jeden Monat wird sie nun von einem Mitläufer auf diesem Weg begleitet.

Wir haben bei allen uns zugegangenen Anfragen immer nach der Prämisse gehandelt, wenn sich ein Mitläufer bereit erklärt die Begleitung durchzuführen, wird sie durchgeführt. Und wir können mit Stolz feststellen, dass nach unserer Erkenntnis in den eineinhalb Jahren nur zwei Anfragen mangels Mitläufer nicht erledigt werden konnten. Deshalb auch an dieser Stelle neben dem Dank an alle Mitläufer, auch der Dank an alle Kooperationspartner, die viele Begleitungen möglich gemacht haben, wenn ein Mitläufer fehlte.

Wir können alle zusammen dankbar und stolz sein für die geleistete Arbeit in dem nun ausklingenden Jahr 2013.

Und wie geht es weiter? Die Zahl der Anfragen steigt ständig. Umso größer wird im kommenden Jahr unsere Anstrengung sein auch die Zahl der Mitläufer zu steigern und weitere engagierte Menschen zu finden. Dabei kann jeder einzelne Mitläufer auch in seinem persönlichen Umfeld mitwirken. Unser Ziel ist es Ende 2014 die Zahl von 1000 Mitläufern bundesweit im Einsatz zu haben. Das ist ein hoch gestecktes Ziel, das eine Verdreifachung der jetzigen Zahl bedeuten würde. Dieses Ziel zu erreichen werden wir 2014 mehr regionale Veranstaltungen durchführen. Sowohl auf Werbung in den regionalen Medien wie auch auf Vorträge und Grundschulungen für interssierte Menschen werden wir unser Hauptaugenmerk legen. Dazu hoffen wir auf Eure Unterstützung.

Es sind inzwischen mehrere Bitten von Mitläufern bei uns eingegangen, die gern die Mitläufer ihrer Region zum (vielleicht regelmäßigen) Erfahrungsaustausch aufrufen würden. Auch solche Treffen unterstützen wir gern und bieten auch in diesem Zusammenhang unsere Vorträge und Grundschulungen an. Wenn Ihr Interesse an verstärkten Aktivitäten dieser Art in Eurer Region habt, dann schreibt uns bitte eine Mail an vorstand@wirgehenmit.org damit wir gemeinsam die weiteren Schritte für Eure Region planen können.

Auch 2014 wird die Arbeit unserer Solidargemeinschaft nicht weniger werden, sondern erheblich zunehmen. Umso dankbarer sind wir im Vorstand, dass wir schon einen so großen Stamm an Mitläufern haben, auf die wir uns ebenso verlassen können, wie die Menschen, die auf unsere Begleitung hoffen.

In diesem Sinne wünschen wir ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein, für jeden Einzelnen und für uns alle gemeinsam, erfolgreiches Jahr 2014.

Hans-Peter Weyer
1. Vorsitzender

Christina Henze
2. Vorsitzende

Klaus Sommerfeld
Schatzmeister

E-Mail: vorstand@wirgehenmit.org

Schon 40.000 fordern: Abschaffung der ALGII-Sanktionen

Noch  bis zum 18. Dezember 2013 kann die Petition 46483 “Arbeitslosengeld II –  Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen (SGB II und SGB  XII)” unterzeichnet werden.
Die  Petition fordert die ersatzlose Streichung der Paragraphen des  Sozialgesetzbuches, welche eine Minderung des Regelanspruchs Bedürftiger  bis hin zur kompletten Leistungsaufhebung erlauben.
Durch  die aktuelle Gesetzgebung ist es der Agentur für Arbeit möglich, Leistungsempfängern Gelder zu streichen, falls sie gegen ihre Verpflichtungen verstoßen [1] oder auch nur ihrer Meldepflicht nicht nachkommen [2]. Als zu maßregelnder Verstoß zählt bereits ein einfaches Versäumnis eines Amtstermins oder die Nichtmeldung einer kleinen Nebentätigkeit.
Sanktionierungen gehören zur gängigen Praxis der Agentur für Arbeit – und das obwohl die  Minderung der Regelbezüge Bedürftige unter das im Grundgesetz verankerte Existenzminimum  abrutschen lässt. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Grundrecht eines jeden Menschen auf einen existenzsichernden Lebensstandard und gesellschaftliche Teilhabe.
»Gerade uns von “Wir Gehen Mit – Die Mitläufer e.V.” erreichen immer wieder Berichte unserer ehrenamtlichen Begleiter über unzumutbaren Gebrauch dieser Sanktionsmöglichkeiten. Diese reichen so weit, dass selbst Babies und Kleinkinder in Bedarfsgemeinschaften von massiven Kürzungen der elterlichen Existenzgrundlage betroffen sind«, so Klaus Sommerfeld, Vorstandsmitglied von “Wir Gehen Mit – Die Mitläufer e.V.”
Die  Petition läuft nur noch wenige Tage, circa 40.000 von 50.000 nötigen  Unterschriften sind bereits gesammelt – das Ziel ist nah und erreichbar! Deshalb rufen die “Mitläufer” hier nachdrücklich zur Unterstützung der Petition auf.
Unterzeichnen auch Sie!
Unterzeichnung der e-Petition online (bis einschließlich 18.12.13):
Postalische Unterschriftenliste (PDF):
(Unterschriftenlisten  müssen bis spätestens 17.12.13 im angegebenen Postfach oder 18.12.13 im  Büro des Petitionsausschusses eingehen oder können per Fax übermittelt  werden)
Aktuelle Informationen sowie alle Angaben zur Petition sind hier zu finden:

Statement zur Änderung der Jobcenter-Öffnungszeiten in Duisburg

Zur geplanten Änderung der Öffnungszeiten der Jobcenter in Duisburg ab 01.12.2013 (bisher 8.00 – 12.30 Uhr, neu 8.00 – 11.00 Uhr) erklärt Hans-Peter Weyer, 1. Vorsitzender des Vereins “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.”:

“Die weitere Verkürzung der Öffnungszeiten bei den Jobcentern in Duisburg ist scheinbar die konsequente Fortführung einer Politik, bei der es darum geht die unliebsamen Hartz4-Empfänger von den Sachbearbeitern fernzuhalten. Erst hat man die Jobcenter zersplittert und für jede mögliche Abteilung, wie z.B. U25 oder Ü50, eigene Standorte geschaffen um die Arbeitslosen möglichst viel zu verwirren und durch die Gegend zu jagen. Danach wurde mit dem Jobcenter Rheinhausen das erste Jobcenter aus der gut erreichbaren zentralen Lage möglichst weit nach ausserhalb ins Industriegebiet verlegt. Jetzt werden weitere Einschränkungen durch Verkürzung der Öffnungszeiten vorgenommen und das obwohl erst vor wenigen Tagen verlautbart wurde, dass Ein-Euro-Jobs gekürzt werden, um das Geld in den Verwaltungsbereich zu stecken.

Den Hilfeempfängern wird die Möglichkeit des direkten Kontaktes mit den Sachbearbeitern immer mehr genommen. Die Antragsstellung soll am besten per Post oder Einwurf und die Leistungsbearbeitung weitestgehend ohne persönlichen Kontakt stattfinden. Damit wird den Hilfebedürftigen jedoch die Möglichkeit zur persönlichen Intervention auf fehlende Bearbeitung und in Notlagen auf schnelle Hilfe erheblich eingeschränkt. Genau diese Fälle sind in der letzten Zeit aber erheblich angestiegen. Verschwundene Unterlagen, wochenlange Wartezeiten bei der Antragsbearbeitung und Notfälle wegen fehlender Gelder für Miete und Strom sind in Duisburg keine Einzelfälle, sondern Alltag für viele Hartz4-Empfänger.

Die Zahl der Beratungen und Begleitungen hat für die Mitläufer in Duisburg erheblich zugenommen und schon zu den bisherigen Öffnungszeiten war es schwierig alle Beistandstermine in die verfügbare Zeit zu bekommen. Die neuen Öffnungszeiten ab 01.12.2013 machen es noch schwieriger alle Anfragen nach Hilfe und Begleitung in kurzer Zeit ermöglichen zu können. Wir rufen deshalb alle Betroffenen auf, aber auch jeden Duisburger Bürger, der ein weng Zeit zur Verfügung stellen kann, sich den Mitläufern anzuschliessen und durch gemeinschaftliche Solidarität dem weiteren Abbau der Menschenwürde in den Jobcentern in Duisburg entgegenzutreten.

Jeder ab 16 Jahren kann Mitläufer werden. Dazu sind keine besonderen Kenntnisse Voraussetzung. Lediglich die Bereitschaft ein paar Stunden ehrenamtlich und solidarisch an der Seite von Menschen, die ein Amt besuchen müssen, dabei zu sein. Wer Interesse hat mehr darüber zu erfahren oder wer eine Begleitung benötigt, kann sich an die bundesweite Rufnummer des Vereins 02065-7923199 wenden oder schreibt eine Mail an mitlaeufer@wirgehenmit.org. Wir werden uns auch mit den neuen Öffnungszeiten nicht unterkriegen lassen und den Menschen, die unsere Hilfe möchten, zur Seite stehen.”

Gastbeitrag: Die Sache mit dem Jobcenter

„Harsche Kritik am rüden Umgangston im Jobcenter in Recklinghausen“ so titelte die WAZ. Eine Frau sei im Jobcenter Recklinghausen arrogant behandelt worden, man habe Ihr mit dem Sicherheitsdienst und dem Rausschmiss gedroht. Leider handelt es sich hier um keinen Einzelfall.

Kein Jobcenter gleicht heute mehr dem anderen. Überall gibt es andere Geschäftsführer. Nicht alle Jobcenter unterstehen mehr der Bundesagentur für Arbeit – viele handeln stattdessen als sogenannte „Optionskommunen“. Diese Jobcenter unterstehen nur noch dem Kreis beziehungsweise der kreisfreien Stadt.

Ich habe viele Erfahrungen mit Jobcentern sammeln dürfen, habe selbst in Bochum und Soest im Jobcenter gearbeitet. Heute bin ich als Rechtsanwältin im Einzugsbereich des Jobcenters Essen tätig. Ich kenne daher beide Seiten.

Auf der einen Seite gibt es die einfachen Angestellten im Jobcenter. Oft selbst mit befristeten Verträgen und Angst um Ihren Arbeitsplatz. Die Fachkräfte sind oftmals studierte Juristen, Sozialarbeiter, Germanisten und dergleichen. Eine Einarbeitung erfolgt in vielen Fällen nicht. Fortbildungen gibt es nur selten. Es werden dort Menschen auf einen Arbeitsplatz gesetzt, von dem sie eigentlich nur wenig Ahnung haben. Die sollen dann über die Existenz anderer Menschen entscheiden. Im Jobcenter herrscht oft auch unter den Kollegen eher eine angespannte Stimmung. Das ist alles keine Entschuldigung, soll aber verdeutlichen, dass auch die Mitarbeiter in der Arbeitsvermittlung einen schweren Stand haben.

Auf der anderen Seite gibt es die „Hilfebedürftigen“, die „Kunden“, die „Leistungsempfänger“. Die meisten sind nicht glücklich mit ihrer Situation – wer ist schon gern auf die Hilfe anderer angewiesen? Anders können sie sich aber ihr Leben nicht mehr leisten. Wenn in solch einer Lage dann auch noch Auszahlungen durch das Jobcenter verspätet kommen, wenn durch EDV-Fehler die Miete nicht angewiesen wird oder die Sachbearbeiter einfach Fehler machen, ist es nicht verwunderlich, wenn die Menschen lauter werden. Es geht um Ihre Existenz!

Hier liegt glaube ich ein ganz großes Problem. Wenn ich sehe, dass einem Mandanten der Umzug verweigert wird nachdem sein Elternteil sich in der Nähe der gemeinsamen Wohnung umgebracht hat, und das Jobcenter bringt allen Ernstes die Begründung, dass es sich um ein „privates Problem“ handelt, das sich auch nicht durch einen Umzug lösen lässt, dann frage ich mich, wo das gegenseitige Verständnis abgeblieben ist.

Hilfebedürftige, die nicht wissen wie sie über das Wochenende kommen sollen, weil das Jobcenter ihnen aus Versehen nur 22 EUR (!) ausgezahlt hat, bekommen einen Notfalltermin frühestens an einem Dienstag.

Genau aus diesem Grund ist es vor allem wichtig, dass die Möglichkeit der Beratungshilfe- und Prozesskostenhilfe erhalten bleibt. Diese Möglichkeiten sollen aufgrund eines neuen Gesetzesentwurfs stark eingeschränkt werden. Vor Allem die Einführung einer “Bagatellgrenze” (für Manche sind 20 Euro halt nicht mehr wenig) und der Vorschlag die Prozesskostenhilfe nachträglich wieder zurücknehmen zu können führt den Sinn der Prozesskostenhilfe ad absurdum. Im Endeffekt nimmt man den ärmeren Parteien immer mehr die Möglichkeit Ihre Rechte wahrzunehmen.

In NRW wird damit fortgesetzt, was mit dem 2. Bürokratieabbaugesetz angefangen hat. Hier wurde bereits die Möglichkeit des Widerspruchsverfahrens in vielen Fällen gestrichen. Kein Wohngeldempfänger zieht direkt vor das Verwaltungsgericht mit allen Kostenrisiken. Daher bin ich für die Ablehnung des aktuellen Gesetzesentwurfs zur Anpassung der Prozesskostenhilfe. Den Hilfeempfängern oder Geringverdienern muss weiterhin die Möglichkeit gegeben werden die Entscheidungen z.B. des Jobcenters zu überprüfen.

Bei allem Verständnis für die Situation der Jobcenter-Mitarbeiter: Es geht hier um Existenzen, nicht um Bedarfsgemeinschaftnummern. Arbeitslosengeld 2 zu erhalten ist kein Privileg der Faulen. Es kann jedem passieren, in diesen Kreislauf zu rutschen. Gerade deswegen wünscht man sich ein gewisses Maß an Respekt. Kein Jobcenter-Mitarbeiter möchte auf der anderen Seite des Tisches sitzen. Viele müssten sich eigentlich noch gut erinnern können, wie das war – werden sie doch selbst oft aus den Reihen der „Vermittlungsfälle“ rekrutiert.

Aber, und auch das bitte ich nicht zu übersehen: Es gibt auch andere Mitarbeiter. Vielen ist es ein echtes Anliegen zu helfen doch oft sind ihnen durch gesetzliche Regelungen einfach die Hände gebunden. Ich habe erlebt, wie ein Sachbearbeiter einem Hilfebedürftigen 50 EUR aus eigener Tasche geliehen hat, als eine Bewilligung zu diesem Zeitpunkt rechtlich einfach noch nicht möglich war.

Wichtig ist, dass beide Seiten sich aktiv Mühe geben zu erkennen, dass auch auf der anderen Seite nur ein Mensch sitzt. Es gehört gegenseitiger Respekt dazu, ein ganz normaler freundlicher Umgangston und Verständnis. Leider ist dies derzeit eher eine Utopie. Solange nach Messerstechereien Wachmänner in Jobcentern stehen, Bürotüren verschlossen sind, keine kurzfristige Möglichkeit zur Vorsprache beim Sachbearbeiter besteht, Hotlines nicht besetzt sind und Unterlagen öfter verloren gehen als ankommen, muss man sich nicht wundern, wenn die Hilfebedürftigen nicht mehr freundlich auftreten und alltägliche Situationen immer wieder eskalieren.

Christina Worm

Vielen Dank an Frau Worm für diesen Gastartikel!
Frau Worm ist als Anwältin im Bereich Sozialrecht aktiv und betreibt einen eigenen Blog unter http://gravitationswelle.com
(Impressum: http://gravitationswelle.com/?page_id=8)

Sie ist über Twitter erreichbar als @BackschafterBo .

Warum Hartz4-Empfänger einen Beistand brauchen

Eine Betrachtung psychologischer Hintergründe und Wirkungen beim Einsatz einer dritten Person bei Amtsbesuchen nach §13 Abs. 4 SGB X
von Familiencoach Hans-Peter Weyer, Duisburg

Seit einigen Monaten gibt es die Initiative “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.”. Die Initiatoren und Mitstreiter haben sich zum Ziel gesetzt, dass niemand mehr ohne einen Beistand zu einem Amt muss. Das Gesetz gibt in §13 Absatz 4 SGB X dazu die notwendige Grundlage. Was aber bringt solch ein Beistand? Die Idee der Initiative ist es, deeskalierend zu wirken, indem das scheinbare Machtgefälle zwischen Sachbearbeiter und Bürger durch eine dritte Person aufgehoben wird. Und die Erfahrungsberichte der bisher begleiteten Menschen zeigen deutlich, dass dies offensichtlich der richtige Weg ist. Das klingt zunächst einmal gut. Was aber geschieht in solch einem Fall tatsächlich mit den beteiligten Menschen? Welche psychologische Wirkung hat die dritte Person beim Amtsbesuch? Diesen Fragen möchte ich im Folgenden nachgehen.

Menschen – das ist das Entscheidende! Es sitzen auf beiden Seiten des Schreibtisches Menschen. Und Menschen haben jeder für sich ganz persönliche Träume, Wünsche, Ideen aber auch Sorgen, Probleme, Ängste. Jeder der beiden Menschen auf den verschiedenen Seiten des Schreibtisches hat zudem ganz verschiedene Erfahrungen, vielleicht unterschiedliche Ansichten, immer eine ganz andere Sozialisation. Sie sind in ganz unterschiedlichen Verhältnissen groß geworden, haben möglicherweise unterschiedliche Schulbildungen und ganz verschiedene Möglichkeiten gelernt ihr Leben zu gestalten. Ich könnte hier noch eine Menge Beispiele aufzählen, die diese beiden Menschen voneinander trennen – ohne damit den Schreibtisch zu meinen.

Schon im normalen Zusammenleben der Menschen und in ihrer alltäglichen Kommunikation finden solche Unterschiede oft Ausdruck in Missverständnissen, Streitereien und manchmal Unverständnis. Wieviel mehr kann es zu Spannungen kommen, wenn zu diesen in den jeweiligen Personen steckenden Differenzen, noch ein scheinbares Machtgefälle durch äußere Gegebenheiten hinzukommt?

Menschen, die ein Amt besuchen müssen, sind immer in einer Situation, die direkt oder indirekt ihre Existenz bedroht. Das Amt ist immer bedrohliche Obrigkeit für die persönliche Lebensführung. Wer weiß schon, was ihn trotz aller Vorbereitung tatsächlich erwartet? Wie wird sich der Sachbearbeiter verhalten, wie ist er grade drauf? Hat er Verständnis oder arbeitet er nach 08/15 alle “Nummern” ab? Entsprechende Ängste und Unsicherheiten sind ständige Wegbegleiter beim notwendigen Gang zum Amt.

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Hartz4-Empfänger und “Die Mitläufer”: Gemeinsam mit starkem Rückgrat ins neue Jahr

Seit Anfang Juli 2012 macht eine Initiative von sich reden, die Menschen ehrenamtlich zu Ämtern begleitet und so moralische Unterstützung bietet. Nun haben die Verantwortlichen den Verein “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.” gegründet und sehen zuversichtlich ins neue Jahr.

Am 23. November dieses Jahres wurde im Essener Unperfekthaus der Verein “Wir gehen mit – Die Mitläufer e.V.” gegründet. Seit Anfang Juli 2012 hatten die Orga-Verantwortlichen die Idee bekannt gemacht und bereits vielen Menschen ehrenamtliche Begleitung bei Ämterbesuchen verschafft. “In nur sechs Monaten haben wir es geschafft die Idee auf eine solide Grundlage zu stellen und bereits vielen Menschen zu helfen”, so der frisch gewählte 1. Vorsitzende Till Riebeling aus Mainz. “Das macht Mut für das neue Jahr.”

Sascha Schneider aus Duisburg, der im Orga-Team für die technischen Bereiche verantwortlich zeichnet, ist 2. Vorsitzender und Klaus Sommerfeld aus Erfurt wurde zum Kassenwart gewählt. Pressesprecher wurde Hans-Peter Weyer, der auch bisher die Pressearbeit der Mitläufer koordiniert hatte.

Inzwischen wurden die Unterlagen zur Vereinsgründung auch dem Vereinsregister Mainz zur Eintragung und dem Finanzamt Mainz für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit vorgelegt. “Natürlich muss auch in Zukunft kein Mitläufer Mitglied des Vereins werden und auch kein Hilfesuchender” erklärt Pressesprecher Weyer. “Der Verein ist lediglich die organisatorische Einheit einer solidarischen Bürgerbewegung.” Hier werden zukünftig zentral Werbemaßnahmen koordiniert, Spenden generiert und Materialien, wie z.B. Flyer, erstellt und den Mitläufern auf Anfrage kostenlos zur Verfügung gestellt. Viele Hilfsmittel werden bereits jetzt schon auf der Homepage des Vereins unter www.wirgehenmit.org angeboten.

“Wir wollen erreichen, dass sich die Mitläufer auf die Menschen konzentrieren können, die sie begleiten wollen.” so Riebeling. “Deshalb stellt der Verein die Organisationsplattform dar, auf deren Grundlage und mit deren Hilfe die ehrenamtlichen Helfer ihre Arbeit ohne großen zusätzlichen Aufwand bewerkstelligen können.”

In über 120 Städten sind “Die Mitläufer” inzwischen mit über 200 Helfern vertreten. “Bis Ende 2012 wollen wir möglichst flächendeckend in ganz Deutschland Mitläufer einsetzen können” verrät Pressesprecher Weyer. “Dazu ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig. Aber die Erfolge zeigen, dass wir mit starkem Rückgrat und erhobenem Kopf das Sozialsystem menschlicher machen können.”

Verantwortlich für diese Pressemitteilung:
Hans-Peter Weyer
Presseteam “Die Mitläufer”
Goebenstrasse 94
47169 Duisburg
Tel: 0203-5090895
Mobil: 0172-2583569
E-Mail: presse@wirgehenmit.org

Hallo liebe #Mitläufer, Freunde und Interessierte!

Zuerst mal eine Klarstellung: Die #Mitläufer sind eine soziale, keine politische Initiative. Es geht nicht um das Parteibuch in der Tasche, sondern um das Herz am richtigen Fleck.

Wow! Erst 7 Tage vorbei! Dabei fing alles so harmlos an: Inspiriert von Johannes Ponaders FAZ-Artikel sendete ich einen Tweet, von dem ich erwartet hätte,dass wenn überhaupt, bestenfalls, ein spöttischer Kommentar Marke „Can I haz Verein?“ zurück kommt:

„Wer möchte den gemeinnützigen #Verein „Mitläufer“ gründen, der #ALG2-Empfänger ehrenamtlich & kompetent aufs Amt begleitet?“

Jetzt ist es eine Woche später und die #Mitläufer hatten bereits erste Erfolge:

Konkret konnte heute den ersten Menschen bei einem Gang zur Kindergeldkasse geholfen werden! Außerdem wurde bereits eine #Mitläuferin für Telepolis auf heise online zur Thematik der „Mitgänger“ interviewt.

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